Die Ethikerin Eve-Marie Engels sieht keinen Nutzen im Klonen, der das Leid der Tiere rechtfertigen würde. Eve-Marie Engels ist Professorin für Ethik in den Biowissenschaften an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Sie war von Juni 2001 bis Februar 2008 Mitglied im Nationalen Ethikrat.
bild der wissenschaft: Wie bewerten Sie den Bericht der europäischen Lebensmittelbehörde zur Sicherheit von Klonprodukten?
ENGELS: Ich bin froh, dass man in Brüssel noch einmal neu nachgedacht hat. Man kann im Moment gar nicht abschätzen, ob solche Produkte unbedenklich sind. Dies könnte man, wenn überhaupt, nur beurteilen, wenn man die Auswirkungen des Verzehrs von Klonfleisch auf den Menschen über einen längeren Zeitraum verfolgt hätte. Aber dieses Experiment wäre nicht vertretbar.
bdw: Sie würden Fleisch oder Milch von geklonten Tieren oder deren Nachkommen also nicht essen?
ENGELS: Nein, ganz bestimmt nicht. Weil ich diese Entwicklung auf keinen Fall unterstützen möchte.
bdw: Warum nicht?
ENGELS: Aus tierethischen Gründen. Aber auch wegen gesundheitlicher Bedenken, der Gefährdung der Konsumentenfreiheit sowie der Unkontrollierbarkeit von einmal in Gang gesetzten Entwicklungen.
bdw: Können Sie die tierethischen Bedenken näher erläutern?
ENGELS: Beim Klonen entsteht nur eine kleine Zahl überlebensfähiger Embryonen. Tiere werden darauf reduziert, Verbrauchsmaterial zu sein. Ich gehe auch davon aus, dass das Klonen mit Schmerzen für die geklonten Tiere und die Leihmütter verbunden ist. Bei den Klonen ist außerdem zweifelhaft, ob sie gesund sind.
bdw: Durch Klonen kann eine vom Aussterben bedrohte Nutztierrasse gerettet werden. Finden Sie das ebenfalls verwerflich?
ENGELS: Es wäre wünschenswert, eine solche Tierrasse zu erhalten. Aber dazu kann man auch eine künstliche Befruchtung von Eizellen mit Samenzellen vornehmen und diese zweigeschlechtlich erzeugten Embryonen einfrieren. Klonen ist dafür nicht erforderlich.
bdw: Schon heute werden in der Tierzucht die künstliche Besamung und die künstliche Befruchtung angewandt. Schreibt die Klontechnik diese Entwicklung nicht nur weiter fort?
ENGELS: Klonen ist etwas vollkommen anderes als künstliche Besamung oder künstliche Befruchtung. Das Klonen ist eine eingeschlechtliche Vermehrung von Tieren, die sich normalerweise zweigeschlechtlich vermehren. Es ist doch auch beim Menschen etwas vollkommen anderes, ob man einen Embryo im Reagenzglas erzeugt oder einen Menschen klont!
bdw: In den USA sind längst Nachkommen geklonter Tiere kommerziell verfügbar. Wie beurteilen Sie das?
ENGELS: Da ist die Politik gefragt. Es muss Gesetze und Richtlinien gegen solche Entwicklungen geben. Außerdem hat bisher überhaupt keine öffentliche Diskussion stattgefunden. Wie die Kennzeichnungspflicht geregelt werden soll, ist ebenfalls völlig offen.
bdw: Die Forscher wollen weitere Studien machen, um herauszufinden, ob Klonen die Gesundheit der Tiere beeinträchtigt. Dafür müssen aber weitere Klone erzeugt werden. Wie stehen Sie dazu?
ENGELS: Das Risiko weiterer Versuche sollten wir erst gar nicht eingehen. Wir können uns doch anders ernähren als durch Klonfleisch! Warum sollte man so eine Technik überhaupt in die Welt setzen? Ich halte das für vollkommen überflüssig.





