Einer US-Studie zufolge ist das Gehirn des Menschen offenbar so gewinnorientiert, dass es selbst bei banalen Spielen auf Hochtouren läuft: Das Kinderspiel ?Stein, Schere, Papier? bringt nicht nur bestimmte Teile des Gehirns zum Arbeiten, wie bisher gedacht, sondern versetzt fast den gesamten Nervenapparat in Aktivität, zeigen die Experimente der Forscher um Timothy Vickery von der Yale University.
Gewinnen macht Spaß, denn unser Gehirn belohnt uns bei Erfolg mit dem Glücks-Stoff Dopamin. Dieses Prinzip war bereits bekannt. ?Unser Gehirn ist voll darauf ausgerichtet unsere Überlebens- und Fortpflanzungschancen zu maximieren. Belohnung müsste also für alle kognitiven Funktionen ? also fast alle Gehirnregionen ? wichtig sein?, so lautete die Vermutung von Timothy Vickery, die am Anfang der Studie stand. Um sie zu bestätigen, ließen die Wissenschaftler knapp 40 Probanden ?Stein, Schere, Papier? oder ein ähnliches Spiel, dessen Gewinnchancen ebenfalls auf Zufall beruht, spielen. Mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie zeichneten sie dabei auf, welche Gehirnbereiche während des Spiels bei den Probanden aktiv waren.
Bislang wurde vermutet, dass bei Erfolgserlebnissen, beziehungsweise Misserfolg, hauptsächlich die sogenannten Basalganglien im Zentralhirn aktiv sind und das Hormon Dopamin ausschütten. Die Forscher konnten nun allerdings Reaktionen auf Gewinnen und Verlieren in nahezu allen Gehirnregionen feststellen. Vermutlich beeinflussen Erfolg und Misserfolg eine breitere Spanne geistiger Abläufe, als bisher angenommen, vermuten die Wissenschaftler. Interessanterweise deuten die Ergebnisse auch darauf hin, dass das Ausmaß der Hirnaktivität im Zusammenhang mit Erfolg oder Misserfolg weitgehend ähnlich ist. Frühere Studien hatten dagegen positiven Erlebnissen ein größeres geistiges Echo zugesprochen als negativen.
?Die Ergebnisse schreien geradezu danach, die Effekte von Belohnung und Bestrafung in Hirnregionen zu erforschen, in denen sie bislang nicht vermutet wurden?, sagt Timothy Vickery. Aus dieser Forschung könnte sich auch praktischer Nutzen ergeben: Beispielsweise ist bekannt, dass bei einigen Suchterkrankungen die Funktion des Belohnungssystems im Gehirn eine zentrale Rolle spielt.
Timothy Vickery (Yale University) et al.: Neuron, doi: 10.1016/j.neuron.2011.08.011 wissenschaft.de ? Marion Martin





