Es gibt aber auch auf den ersten Blick sinnvoller erscheinende Apps, also die kleinen Programme, die man auf dem Telefon installieren kann. Diese Apps helfen Bäume, Blumen oder Vogelarten zu erkennen. Das geht sogar so weit, dass der Nutzer die Vogelstimme, die er gerade hört, aufnehmen kann und sein Telefon ihm erzählt, wer da so schön trällert. Nicht unerwähnt sollte sein, dass es natürlich längst Vögel gibt, die das Handygebimmel nachahmen …
Wo man früher kiloweise Bestimmungsliteratur in den Busch schleppen musste, wenn man sich nicht auskannte, reicht heute ein Gerät von der Größe einer halben Tafel Schokolade. Auch die sonstigen Bedingungen haben sich verbessert: Es gibt natürlich immer neue und schöne Bücher über die Arten, ihre Lebensräume und Vorlieben. Tausende von Seiten im Internet spucken beinahe zu jeder Art irgendetwas aus. Tierdokumentationen dringen immer tiefer in das Privateste von Vögeln oder Füchsen vor. Und dank Digitalzooms und unendlichem Datenspeicher ist Naturfotografie noch mehr Menschen offen. Nie kannten wir Natur besser. Nie boten sich dem Naturfreund mehr informationstechnische Möglichkeiten als heute. Selbst solche Tiere wie Mückenhaft oder Höhlentroll bleiben heute nicht mehr nur einem Fachpublikum vorbehalten.
Doch eines nehmen halt auch die tollsten Apps und originellsten Webseiten einem nicht ab: Selbst raus zu gehen. Der Geruch von Gras oder die Beschaffenheit von Baumrinde lassen sich nur schwer in Worte fassen. Oder im Bild weiterreichen. Wie riecht Grün? Kann sich warm faltig anfühlen? Naturerleben kommt ohne Natur nicht aus. Gottseidank.
Und wo wir schon bei Gott sind: Die Verantwortung für die Schöpfung, also die Gesamtheit alles Lebendigen und Unbelebten auf der Erde könnte doch auch etwas für den Atheisten sein, oder?
Das Leben hat halt andere Regeln als Nuts. Wenn das Eichhörnchen sich wieder einmal den Schädel angestoßen hat und mit einem leidvollen „Aargh“ vom Baum stürzt, drückt man auf „Play“ und es spurtet wieder los. In der Realität hat tot sein eine endgültigere Bedeutung als „Game over“. Also, Telefon in die Tasche und echten Eichhörnchen beim Nüssejagen hinterhergucken!
Anmerkung
Den Kommentar hat Peter Laufmann für unseren wöchentlichen Newsletter geschrieben. Dort finden sich regelmäßig auch Links auf Veranstaltungen.
Foto
Eichhörnchen © fotomaster – Fotolia





