Klarer Zusammenhang erkennbar
Um das zu untersuchen, werteten die Forscher Daten der Jahre 2003 bis 2010 von zwei Langzeit-Studien aus: einer landesweiten regelmäßigen Zählung häufiger Brutvögel und zum anderen Messungen der Wasserqualität. Dadurch konnten sie vergleichen, ob es einen Zusammenhang zwischen erhöhten Pestizidwerten in den Gewässern und der Vogelhäufigkeit gab. Das Ergebnis war überraschend eindeutig: Für 14 von 15 untersuchten Vogelarten gab es eine Korrelation: Überall dort, wo die Konzentration des Neonicotinoids Imidacloprid im Wasser 20 Nanogramm pro Liter überstieg, sanken die Vogelzahlen um 3,5 Prozent pro Jahr ab, wie die Forscher berichten. Um sicherzustellen, dass nicht eine veränderte Landnutzung oder andere Faktoren an diesem Schwund schuld war, überprüften die Wissenschaftler zusätzlich die Entwicklung der Vogelpopulationen von 1984 bis 1995 – und damit in der Zeit vor der Einführung des Pestizids. Wie sich zeigte, gab es klare Unterschiede zum aktuellen Trend.
“Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Imidacloprid zur Abnahme der lokalen Vogelpopulationen beigetragen hat”, sagen die Forscher. Ihren Angaben nach ist dafür weniger eine akute Vergiftung der Vögel verantwortlich, als vielmehr eine indirekte Wirkung über die Nahrungskette. “Alle 15 untersuchten Vogelarten füttern ihre Jungen ausschließlich mit wirbellosen Tieren”, erklären Hallmann und seine Kollegen. Bei neun Arten sind zudem auch die Erwachsenen Insektenfresser. Eine der wichtigsten Futterquellen für die Vögel sind dabei Insekten, deren Larvenstadien im Wasser leben. Doch wie sich zeigte, nimmt die Zahl dieser Insektenlarven in Gewässern mit höheren Pestizidkonzentrationen deutlich ab. Als Folge leiden die Vögel in diesen Gegenden unter Futtermangel und können ihre Jungen nicht ausreichend versorgen. Dies könnte nach Ansicht der Wissenschaftler den Rückgang der Vögel erklären.
“Neonicotinoide galten bisher immer als selektive Gifte”, sagt Koautor Hans de Kroon von der Radboud Universität. “Aber unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass sie das gesamte Ökosystem beeinträchtigen.” Diese Pestizide stellen damit ein viel größeres Risiko dar als erwartet, wie die Forscher betonen. Es sei nun dringend nötig, diese indirekten, über die Nahrungskette wirkenden Effekte der Pestizide genauer zu untersuchen – und auch in der zukünftigen Gesetzgebung zu berücksichtigen.





