Die Vogelgrippe ist nichts Neues: Schon seit tausenden von Jahren befallen Influenza-Viren Wildvögel und auch Hausgeflügel. Doch Vogelgrippe ist nicht gleich Vogelgrippe: Experten unterscheiden heute mindestens fünfzehn verschiedene Varianten der Viruserkrankung. Zuletzt grassierte in Asien unter anderem das Vogelgrippe-Virus H7N9. An dem erstmals im Frühjahr 2013 in China aufgetauchten Erreger sind bis heute rund 1.600 Menschen erkrankt und knapp 40 Prozent davon verstorben. Angesteckt hatten sie sich über den direkten Kontakt mit Geflügel. Unter den Tieren breitet sich H7N9 aus, ohne dass diese sichtbar krank werden. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist dagegen bislang nicht möglich. Doch das könnte sich bald ändern. Schon nach der ersten Epidemie 2013 zeigte sich, dass der Erreger erste Anpassungsschritte an seinen neuen Wirt absolviert hatte. Etliche H7N9-Viren schienen zudem gegen gängige Medikamente resistent geworden zu sein – eine bedenkliche Entwicklung. Wie groß aber ist das Risiko wirklich, dass das Virus eines Tages die Artschranke überwindet und damit dann Pandemie-Potenzial hat?
Von Frettchen zu Frettchen
Dieser Frage sind nun Wissenschaftler um Yoshihiro Kawaoka von der Universität Tokio nachgegangen. Für ihre Studie analysierten die Forscher Virusproben von einem chinesischen Patienten, der Anfang 2017 an der Vogelgrippe verstorben war. Dabei stellten sie fest, dass es sich bei diesem Erreger um einen hochpathogenen Subtyp des H7N9-Virus handelt – während der vergangenen vier Epidemien waren noch sogenannte niedrigpathogene Viren grassiert. Zudem fanden sie in der Probe unterschiedliche Varianten des Erregers: Einige dieser Viren sind noch anfällig gegenüber sogenannten Neuraminidase-Hemmern. Andere wiederum sind bereits resistent gegen diese häufig für die Grippetherapie verwendeten Wirkstoffe, die ein für die Vermehrung des Virus wichtiges Enzym blockieren.
Um die Artschranke zu überwinden, muss sich ein Influenza-Erreger in menschlichen Zellen gut vermehren können. Würde dem H7N9-Virus das gelingen? Laborexperimente zeigten: Tatsächlich vermehren sich alle untersuchten Varianten des Erregers erfolgreich in menschlichen Zellen der Atemwege. Allerdings wächst die resistente Variante nicht so effektiv wie die anderen Virusformen. Anschließend testete Kawaokas Team, ob die Viren auch zwischen Säugetieren übertragbar sind – die zweite Voraussetzung für eine Überwindung der Artschranke. Versuche mit Frettchen bestätigten das: Mit H7N9 infizierte Tiere steckten gesunde Artgenossen in benachbarten Käfigen an. Alle Varianten des Erregers scheinen sich demnach via Tröpfcheninfektion von Säugetier zu Säugetier verbreiten zu können. Und zwar mit tödlichen Folgen: Wie die Forscher berichten, verlief die Erkrankung bei den Frettchen in der Regel tödlich, wenn sie mit der nicht resistenten Variante des Virus infiziert worden waren. “Das zeigt, dass das Virus noch aggressiver ist als seine niedrigpathogenen Vorgänger”, sagt Kawaoka.





