Wie viele Vogelmänner beeindrucken auch die Männchen des Prachtleierschwanzes (Menura novaehollandiae) ihre Herzensdamen durch Gesang und Tanz. Die Showstars der australischen Wälder zeichnen sich dabei allerdings durch ein besonderes Talent aus: Neben den arttypischen Tonfolgen erzeugen sie auch Klangimitationen der Stimmen anderer Vögel und Tiere sowie von Umweltgeräuschen. Sogar das Klicken von Fotoapparaten und das Rattern von Motorsägen können sie erstaunlich akkurat reproduzieren, was sie zu Promis der australischen Vogelwelt gemacht hat.
Skurrile Klangillusion
Diese skurrilen Vögel stehen bereits seit einiger Zeit im Fokus der Forscher um Anastasia Dalziell von der Cornell University in Ithaca. Wie sie nun berichten, fiel ihnen im Rahmen von Untersuchungen des Balzverhaltens der Leierschwänze ein erstaunliches Klangmuster auf: Die Männchen gaben manchmal anstatt der typischen metallischen Tonfolgen ein eher unangenehmes Getöse von sich. Wie sich herausstellte, handelt es sich um eine Imitation des Klangmusters, das im Lebensraum der Prachtleierschwänze erklingt, wenn die dortige Vogelgemeinschaft durch eine Bedrohung in Aufregung versetzt wird.
Wie die Forscher berichten, ahmen die gefiederten Imitationskünstler die Mischung von Alarmrufen verschiedener Vogelarten nach und runden die Illusion sogar durch eine stimmliche Wiedergabe der hektischen Flattergeräusche ab. “Bisher galt, dass es beim Nachahmungsverhalten im Tierreich drei Protagonisten gibt: einen Nachahmer, einen Adressaten und ein Modell. Aber hier haben wir ein Beispiel dafür, dass ein Individuum – ein männlicher Leierschwanz – eine ganze ökologische Szene nachahmt, die mehrere Individuen und mehrere Arten umfasst, die gleichzeitig Geräusche erzeugen”, sagt Dalziell.
Wie genaueren Beobachtungen zeigten, lassen die Prachtleierschwänz-Männchen die skurrile Klangillusion offenbar gezielt dann ertönen, wenn die Weibchen sich ihrem Balzverhalten entziehen wollen. Vor allem begleitet das Geräusch aber die Kopulation selbst. “Es zeichnete sich schließlich ab, dass das Nachahmen der klanglichen Panik-Reaktionen während der Kopulation bei den Prachtleierschwänzen die Regel zu sein scheint”, sagt Dalziell.





