Eine reichliche Vitamin-Zufuhr kann Herzkranken mehr schaden als nützen. Besonders wenn die Vitamine zusammen mit Blutfett-senkenden Medikamenten, sogenannten Lipidsenkern, eingenommen werden. Wer Lipidsenker einnimmt, versucht damit sein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Angina pectoris zu senken. Vitamine können diese Wirkung jedoch aufheben, haben jetzt US-Forscher von der University of Washington festgestellt.
Eine Behandlung mit Lipidsenkern vermindert den Anteil des “schlechten” Cholesterins im Blut (LDL – low density lipoprotein) und erhöht den Anteil des “guten” Cholesterins (HDL ? high density lipoprotein). Greg Brown, Professor für Medizin an der University of Washington, sagte: “Es sieht so aus, als ob die Vitamine den Anstieg des HDL-Cholesterins behindern.” Brown und seine Kollegen hatten 153 Patienten mit verengten Herzkranzgefäßen und niedrigen HDL-Blutspiegeln mit Lipidsenkern behandelt und bei einem Teil der Patienten diese Therapie mit einem Vitamin-Cocktail kombiniert. Unter der reinen Lipidsenker-Therapie stieg ein wichtiger HDL-Subtyp um 42 Prozent an. Bei Kombination mit den Vitaminen passierte jedoch gar nichts. Die Ergebnisse der Studie sind jetzt in “Atherosclerosis, Thrombosis and Vascular Biology” erschienen, einer Zeitschrift der American Heart Association.
Offenbar waren selbst die Wissenschaftler von den negativen Resultaten überrascht worden. Die neuen Erkenntnisse dürften erhebliche Auswirkungen auf das Therapie-Management bei Patienten mit Erkrankungen der Herzkranzgefäße haben, hieß es. Bisherige Studien hatten stets einen Nutzen Vitamin-reicher Diäten ergeben. Nun müsse man sich klar gegen eine zusätzliche Behandlung mit Vitamin-Präparaten aussprechen, so der Epidemiologe Lewis H. Kuller von der University of Pittsburgh.
Dr. Thomas Meißner





