Aufgrund der neuen Ergebnisse empfiehlt Bischoff-Ferrari älteren Menschen, die schon einen Hüftbruch erlitten haben, die höhere Dosierung. «Die Standarddosis reicht zwar aus, um die Muskulatur zu stärken und dadurch Stürze zu vermeiden», sagt Bischoff-Ferrari. Doch um bei den dennoch eintretenden Stürzen auch das Knochenbruchrisiko zu verringern, brauche es im Blut jedoch einen höheren Vitamin-D-Spiegel, und somit eine höhere Dosierung. Vitamin D ist wichtig für starke Knochen, weil es die Aufnahme von wichtigen Knochenbestandteilen wie etwa Kalzium und Phosphat im Darm und deren Einbau in die Knochen fördert. Ein Mangel an Vitamin D kann deshalb zu schmerzhaften Knochenerweichungen und zu einer erhöhten Knochenbruchgefahr führen.
Vitamin D wird natürlicherweise in der Haut durch Sonnenlicht gebildet. Mit zunehmendem Alter nimmt die Fähigkeit der Haut jedoch ab, das Vitamin herzustellen. In der älteren Bevölkerung ist ein Mangel daher weitverbreitet: In Europa ist mehr als die Hälfte aller Erwachsenen mit Vitamin D unterversorgt.
Vitamin D ist zudem in gewissen Lebensmitteln wie Fettfischen enthalten – etwa in Wildlachs, Heringen und Makrelen. Aber im Gegensatz zu den meisten anderen Vitaminen, die der menschliche Körper durch eine gesunde Ernährung in genügender Menge aufnimmt, wäre es schwierig den Bedarf mit der Nahrung aufzunehmen, sagt Bischoff-Ferrari. Seniorinnen und Senioren müssten hierfür täglich zwei Portionen Fettfisch essen.
Neben dem Einfluss von Vitamin D untersuchte die Studie bei den Hüftbruchpatienten auch den Zusatznutzen eines einfachen, im Krankenhaus erlernten und zu Hause selbständig durchgeführten Physiotherapieprogramms. Die Wissenschaftler verglichen dieses mit der Standardphysiotherapie im Akutkrankenhaus ohne Heimprogramm. Dabei zeigte sich: Das zusätzliche Heimprogramm verringerte die Anzahl Stürze im Folgejahr nach der Hüftbruchoperation um einen Viertel, jedoch hatte es keinen eindeutigen Einfluss auf die Anzahl Sturzverletzungen, die Spitalpflege erforderten. Weil sowohl ein solches Heimprogramm als auch Vitamin D in hoher Dosierung der Gesundheit von Hüftbruchpatienten förderlich sind, empfiehlt das Forschungsteam beides. “Es sind einfache Präventionsmittel mit nur geringen Kosten – sie belasten das Gesundheitssystem nicht wesentlich”, sagt Bischoff-Ferrari. “Und sie haben eine große Wirkung. Auch die ältesten Patientinnen der Studie sprachen darauf an.”





