Die Anpassung unserer Wahrnehmung scheint bei den Illusionen auf den ersten Blick immer dasselbe Sinnessystem zu betreffen – optische Reize verursachen auch optische Nacheffekte. Doch ist das wirklich so? „Wir haben nun experimentell untersucht, ob die Anpassung an einen visuellen Reiz nicht auch einen anderen Sinn beeinflussen kann, und zwar den Vestibularapparat, der den Gleichgewichtssinn sowie die Orientierung und physikalische Bewegung im Raum koordiniert”, sagt MacNeilage.
Nacheffekt prägt Ausgleichsbewegung
Für ihre Studie setzten die Wissenschaftler Probanden auf eine bewegliche Plattform und zeigten ihnen schnell wechselnde Bildsequenzen, die entweder die Illusion einer vorwärts- oder rückwärtsgerichteten Bewegung vermittelten. Anschließend wurde der Raum verdunkelt und die Plattform bewegt. Die Probanden sollten nun diese Bewegungen durch entsprechende Gegenbewegungen gezielt ausgleichen.
Die Auswertungen dieser Koordinationsaufgaben zeigten: Die Ausgleichsbewegungen der Probanden waren deutlich von dem zuvor gesehenen visuellen Reiz geprägt, sodass es zu Fehleinschätzungen der tatsächlichen Bewegung der Plattform kam. Es liegt also ein krossmodaler Nacheffekt vor – er betrifft verschiedene Sinnessysteme gleichzeitig, sagen die Wissenschaftler. Ihnen zufolge belegt dies aus der Sicht der Hirnforschung: Sowohl die visuellen als auch die vom Vestibularsystem kommenden Bewegungsinformationen werden durch gemeinsame neuronale Mechanismen verarbeitet – und diese Mechanismen passen sich aneinander an.
„Unser Ergebnis hat auch Konsequenzen für die Entwicklung neuer Virtual Reality-Technologien wie etwa von Datenbrillen”, sagt MacNeilage. Denn wenn die vermittelten virtuellen Bewegungs-Reize kombinatorische Nacheffekte mit sich bringen, sei möglicherweise Vorsicht geboten. „Wenn unsere tatsächliche Bewegung im Raum beeinflusst wird, wirft das Fragen auf, die beim Entwurf von Sicherheits- oder Gebrauchsanweisungen solcher Geräte berücksichtigt werden sollten”, konstatiert der Wissenschaftler.





