Eine Virusinfektion mit dem Bakteriophagen S-PM2 ist für Cyanobakterien nicht tödlich, sondern lebensrettend. Werden durch zu intensives Sonnenlicht nämlich lebenswichtige Proteine des Bakteriums zerstört, stellt das Virus wie ein Notaggregat bei Stromausfall dem Bakterium Ersatzproteine zur Verfügung und sichert so das Überleben seines Wirtes. Das berichten britische Forscher in der Fachzeitschrift Nature (Bd. 424, S. 741).
Cyanobakterien, fälschlicherweise auch Blaualgen genannt, leben in den Ozeanen und können wie Pflanzen über Photosynthese aus Sonnenlicht Nährstoffe herstellen. Dabei produzieren sie einen großen Teil des atmosphärischen Sauerstoffs. Leider sind die Mikroben jedoch sehr empfindlich: Ist das Sonnenlicht zu intensiv, zerstört es für die Photosynthese wichtige Proteine und die Bakterien gehen zu Grunde.
Genau diese Schwäche ist eine Chance für die Bakteriophagen. Sie schleusen mit ihrem Erbgut eine Sicherheitskopie der Gene ein, die die Information für die sonnenempfindlichen Proteine enthalten. Werden nun die bakterieneigenen Eiweiße zerstört, können die Bakterien anhand der zusätzlichen Kopie neue, intakte Proteine herstellen. Das Bakterium überlebt ? und damit erhält das Virus eine weitere Chance, sich zu vermehren.
Möglicherweise seien die Viren für einen großen Teil des aus den Ozeanen stammenden Sauerstoffs verantwortlich, vermutet Studienleiter Nicholas H. Mann von der Universität von Warwick. “Das ist eine faszinierende Idee, wenn man bedenkt, dass fast die Hälfte des Sauerstoffs, den wir atmen, aus den Ozeanen stammt.”
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





