Rund 800.000 Patienten pro Jahr bekommen in deutschen Kliniken zusätzlich zu ihrer Erkrankung eine Infektion. Dies berichtet die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene. Als einer der Hauptverursacher dieser Infektionen gilt der bakterielle Mikroorganismus Staphylococcus aureus. Mikrobiologen der kanadischen University of Western Ontario haben jetzt einen Weg gefunden, den gefährlichen Erreger mithilfe von Lactobacillus fermentum RC-14, einem Verwandten des Joghurtbakteriums, auszuschalten.
In Labortests beschichteten Gregor Reid und sein Kollege Jeffrey Howard schmale Silikonplättchen mit Staphylococcus aureus und pflanzten sie unter die Haut von Ratten. Einige Plättchen wurden zusätzlich mit Lactobacillus fermentum RC-14 versehen. Nach einigen Tagen waren die Hauteinschnitte, die mit Staphylococcus aureus infiziert wurden, geschwollen und mit Eiter gefüllt. Die Stellen mit Lactobacillus fermentum RC-14 waren hingegen sauber und gesund geblieben.
Wie die Forscher im Wissenschaftsmagazin New Scientist berichten, tötete Lactobacillus fermentum RC-14 die Erreger zwar nicht ab, hinderte sie aber offensichtlich durch die Ausscheidung eines Proteins daran, sich an den Körperzellen anzulagern. Dieser Effekt könnte nach Ansicht von Howard zur Vermeidung von Resistenzbildungen bei der Gabe von Antibiotika künftig nützlich sein: Eine Antibiotika-Resistenz entwickelt sich erst, wenn alle nicht-resistenten Mitglieder der Bakterienkolonie abgetötet wurden. Lactobacillus fermentum RC-14 würde die Bakterien aber lediglich am Wachstum hindern, anstatt sie zu vernichten, sodass sich Resistenzen langsamer entwickeln. Die Wissenschaftler können sich auch vorstellen, das Protein in Zukunft zur Verhütung von Infektionen direkt in Wunden einzubringen oder Operationsbestecke in Krankenhäusern damit zu beschichten.
Almut Bruschke-Reimer





