Offenbar schwingt das Konsumpendel hin und her. Vom Heller und Pfennig oder wie viel ein Produkt kosten darf, zu dessen Qualität und wieder zurück. Will heißen: Die Menschen achten einige Zeit extrem auf jeden Cent, um sich dann wieder auf das Wertvolle zu besinnen. Marketingexperten meinen sogar Zeiträume beobachten zu können: Fünf bis sieben Jahre, so schätzt der Basler Wirtschaftswissenschaftler Professor Manfred Bruhn, dauere ein Zyklus. Dann kehre sich der Trend wieder um. Im Moment neigt das Pendel zu mehr Qualität. Auch deshalb wächst die Biobranche im zweistelligen Bereich, was heißt, dass längst auch die “Nicht-Ökos” immer beherzter biologische Lebensmittel einkaufen.
Max Weber, der geniale Gesellschaftsanalyst schrieb mit schönstem Vokabular über den Geist des Kapitalismus, die Entzauberung der Welt, den Aufstieg des Fachmenschentums, die Tyrannis der Bürokratie und so fort. Er tat seinen Unmut kund über die “zunehmende Rechenhaftigkeit” des Menschen, eine Entwicklung, die zu seiner Zeit begann und in den letzten Jahren noch mal richtig anzog. Ob es uns heute im Sinne der Nachhaltigkeit gelingt, uns wieder mehr auf das Wesentliche zu besinnen?
Übrigens: Nicht einmal beim Thema Wasser ist Geiz beziehungsweise Sparen angesagt. Zum Internationalen Tag des Wassers berichten wir, dass uns Deutsche Wassersparen teuer zu stehen kommt. Von Willy Brandt ist überliefert, er habe sich dereinst darüber mokiert, wie inbrünstig sich die Deutschen damit befassen können, ob sie beim Zähneputzen den Wasserhahn zwischendurch zudrehen und wie viel Wasser sie damit sparen können. Er kümmerte sich lieber um die großen Gesten. Das Rattern des Wasserzählers war ihm egal. Heute würde er lächeln und mit rauchiger Whiskey-Stimme raunen, ihm sei schon damals klar gewesen, dass Wassersparen uns nicht wirklich weiterbringt …
Ihre
Ilona Jerger, Chefredakteurin





