Das Prinzip ist von der Sprudelflasche bekannt – gelöstes Kohlendioxid macht Wasser säuerlich. Ähnliches gilt auch im globalen Maßstab: CO₂ aus der Atmosphäre geht in das Oberflächenwasser der Meere über und lässt den pH-Wert sinken. Je mehr des Gases in der Luft liegt, desto intensiver sind dabei beide Effekte. Auf diese Weise haben die Weltmeere zwar große Mengen des menschengemachten Treibhausgases geschluckt, dabei wurde ihr Wasser allerdings auch in problematischer Weise saurer. Studien der letzten Jahre haben gezeigt, dass die sinkenden pH-Werte Meerestieren schaden können. Vor allem sind Organismen betroffen, deren Strukturen aus Kalzium-Verbindungen bestehen. In eher säuerlichem Wasser bekommen etwa Muscheln, Korallen oder winzige Krebschen und Kieselalgen Probleme beim Aufbau ihrer Strukturen.
Arktische Gewässer sind besonders betroffen
Es ist bereits bekannt, dass sich das Ausmaß und die Zunahme der Ozeanversauerung zwischen den Meeresregionen der Welt deutlich unterscheidet. Dies hat mit den jeweiligen Bedingungen vor Ort zu tun. Ein internationales Forscherteam richtet dabei nun den Blick auf die Gewässer der Arktis. Im Rahmen ihrer Studie haben sie Wasseranalyse-Daten ausgewertet, die auf insgesamt 47 Forschungsreisen zwischen 1994 und 2020 im westlichen Arktischen Ozean gesammelt wurden. Sie ermöglichten es, die Veränderungen des pH-Werts des Meerwassers und des Sättigungszustands des Kalziumkarbonatminerals Aragonit abzuschätzen. Dabei handelt es sich um die beiden zentralen Messgrößen bei der Untersuchung der Ozeanversauerung.
Wie das Team berichtet, stellten sie im Fall des westlichen Arktischen Ozeans einen sehr ausgeprägten Versauerungs-Trend fest. Im Durchschnitt schreitet die Zunahme des Säuregehalts dort mit einer drei- bis viermal höheren Rate voran als in anderen Meeresregionen, schreiben die Wissenschaftler. Ihnen zufolge spiegelt sich in den Studienergebnissen auch wider, worauf diese Besonderheit zurückzuführen ist: auf den zunehmenden Verlust der Meereisbedeckung im Zuge des Klimawandels. Dies zeigt sich an einer Korrelation zwischen den Veränderungen der Säuregehalte im Meerwasser und den Schwankungen der jährlichen Eisbedeckung im Untersuchungszeitraum.
Faktor Eisschmelze
Wie die Forscher erklären, schmolz das arktische Meereis während der Sommersaison in der Vergangenheit meist nur in Randgebieten. Das begann sich ab den 1980er Jahren deutlich zu ändern. Das Ausmaß fluktuiert zwar, doch vor allem in den letzten 15 Jahren ist ein starker Trend zur Eisschmelze zu verzeichnen, die immer weitere Teile des arktischen Ozeans erreicht. In den Analyseergebnissen der Langzeitbetrachtung zeichnet sich dabei nun der Zusammenhang von Eisschmelze und Versauerung ab, berichten die Wissenschaftler.





