Vier als umweltfreundlich geltende Chemikalien schädigen nach neuen Erkenntnissen die Ozonschicht. Ein Verbot der Stoffe n-Propyl-Bromid, Hexachlorbutadien, Halon 1202 und 6-Bromo-2-Methoxyl-Naphthalen wurde jetzt auf der 13. Vertragsstaatenkonferenz zum Montreal Protokoll (MOP 13) in Colombo diskutiert. Das Protokoll und seine Zusatzvereinbarungen regeln den schrittweisen Ausstieg aus der Produktion und Anwendung von Fluorkohlenwasserstoffen (FCKW).
N-Propyl-Bromid ist ein Lösungsmittel, das die US-Umweltbehörde
Environmental Protection Agency (EPA) 1997 als umweltfreundliche Alternative für ozonzerstörende Chemikalien zugelassen hat. Da es sich in der Umwelt innerhalb von 14 Tagen auflöst, ging man davon aus, dass es die Ozonschicht nicht erreichen kann. Der Atmosphären-Forscher Donald Wuebbles von der
University of Illinois in Urbana-Champaign und weitere Kollegen stellten jedoch fest, dass die Substanz in den Tropen innerhalb weniger Tage in die die Stratosphäre gelangt.
Das Ozonabbau-Potenzial von n-Propyl-Bromid sei in tropischen Regionen dreißig Mal so hoch wie in nördlichen Breitengraden, berichtet Wuebbles im Wissenschaftsmagazin “New Scientist”. Nach Schätzungen der UNO werden jährlich 10.000 Tonnen der Chemikalie hergestellt und als umweltfreundlich verkauft. Bis zum Jahr 2010 könnten es bereits 50.000 Tonnen sein.
Auf der schwarzen Liste stehen inzwischen auch das Lösungsmittel und Nebenprodukt der PVC-Herstellung Hexachlorbutadien, das Brandlöschmittel Halon 1202 und 6-Bromo-2-Methoxyl-Naphthalen, das bei der Herstellung des ozonschädlichen Pestizids Methylbromid Verwendung findet. Bei Wissenschaftlern wächst die Besorgnis, dass sich noch eine Reihe weiterer Chemikalien als Ozonkiller entpuppen könnten.
“Wenn noch viele dieser neuen Stoffe hergestellt werden, wird sich die Erholung der Ozonschicht stark verzögern”, warnt Mario Molina vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), der 1995 den Nobelpreis für seine Forschungen über das Ozonloch erhielt.
Almut Bruschke-Reimer