Voll entwickelte Nervenzellen sind normalerweise nicht mehr fähig, nach einer Verletzung neue Fortsätze zu bilden. Wissenschaftler der Johns Hopkins University haben jetzt in Laborversuchen nachgewiesen, dass experimentell verschiedene Regenerationsmechanismen in Gang gesetzt werden können.
Die Nervenzellen von Gehirn und Rückenmark bilden mehr oder weniger lange Fortsätze, so genannte Axone, über die Signale an andere Nervenzellen weitergeleitet werden. Aus Versuchen mit Zellkulturen wusste man, dass “Myelin-assoziierte Proteine” im Zentralnervensystem eine Neubildung von Axonen bei reifen Nervenzellen verhindern, bei unreifen Zellen dagegen nicht. In früheren Arbeiten war es Paul Hoffman bereits gelungen, reife Nervenzellen durch den Botenstoff zyklisches AMP (cAMP) zu stimulieren, so dass sie die Fähigkeit, ein verletztes Axon zu regenerieren, wiedergewinnen konnten. Außerdem war bekannt, dass mechanischer Druck auf einen anderen Fortsatz derselben Zelle das gleiche bewirkt. Hoffmans Mitarbeiter Paul Han konnte jetzt in Versuchen mit Rattennerven zeigen, dass der mechanische Reiz den Reparaturmechanismus schneller und auf andere Weise in Gang setzt als das cAMP. Die weitere Aufklärung dieser Mechanismen soll dabei helfen, eine Behandlung für verletzte oder degenerierte Nerven zu entwickeln.
Joachim Czichos





