Bei A1AT-Mangel ist eine Schutzfunktion nicht mehr ausreichend gewährleistet: A1AT bewahrt Lungengewebe normalerweise vor Schäden durch sogenannte Proteasen, Enzyme, die bei Immunreaktionen des Körpers natürlicherweise gebildet werden. Wie es zu dem Mangel mancher Menschen an A1AT kommt, konnten Pleass und seinen Kollegen nun zeigen: Die Betroffenen bilden eine spezielle Form von A1AT, die sich an bestimmte Antikörper des Immunsystems heftet. Dadurch geht A1AT verloren, es schützt aber die Antikörper vor dem Abbau – der Bindungseffekt erhöht somit deren Konzentration im Körper. Interessanterweise handelt es sich um Antikörper, die speziell gegen parasitäre Würmer wirken, berichten die Forscher.
Hinweise aus Überresten von Wikinger-Klos
Ihnen zufolge legt dies nahe, dass sich die Veranlagung für diese spezielle A1AT-Variante zur Unterstützung des Immunsystems im Kampf gegen Würmer entwickelt hat. Archäologische Funde belegen, dass dies offenbar für die Wikinger besonders wichtig gewesen sein könnte: Untersuchungen von Überresten aus dänischen Latrinen belegen, dass die Nordmänner ungewöhnlich stark von Darmparasiten befallen waren. Die Würmer können auch weitere Teile des Körpers schädigen, wenn sie das Immunsystem nicht in Schach halten kann. Vermutlich hat sich deshalb die schützende Veranlagung bei den Wikingern durchgesetzt, sagen die Forscher.
Da die Menschen damals sowieso nicht so lange lebten wie heute und auch nicht rauchten, fiel der negativen Aspekte der Veranlagung nicht stark ins Gewicht, erklären die Pleass und seine Kollegen. “Erst im vergangenen Jahrhundert begann die moderne Medizin, Menschen vor Krankheiten durch Würmer effektiv zu schützen. Somit wurde erst dann relevant, dass die speziellen Formen des A1AT, die einst vor Parasiten schützen, Emphyseme und COPD begünstigen”, resümiert Pleass.




