Die Neigung zur Einsamkeit hat eine deutliche genetische Ursache. Das schließen niederländische und amerikanische Forscher aus Untersuchungen mit Zwillingen. Rund 50 Prozent der befragten eineiigen und damit genetisch identischen Zwillingspaare beschrieben das Maß und den Grad ihrer Einsamkeitsgefühle als ähnlich. Bei zweieiigen Zwillingen waren dies nur 25 Prozent. Damit sind erbliche Faktoren für die Einsamkeit deutlich mitverantwortlich, sagen die Wissenschaftler.
Die Forscher befragten mehr als 8.000 erwachsene Zwillinge aus den Niederlanden, deren Lebensweg seit 1991 regelmäßig beobachtet wird. Die Zwillinge antworteten auf Fragen wie “andere mögen mich nicht”, “ich verliere Freunde schnell” und “ich fühle mich einsam” anhand einer Skala. Mit statistischen Verfahren analysierten die Forscher die Antworten.
So können die Wissenschaftler beispielsweise davon ausgehen, dass die Zwillinge eines Zwillingspaars ? egal ob eineiig oder zweieiig ? unter sehr ähnlichen Umgebungsbedingungen aufwachsen. Umwelteinflüsse können Forscher damit herausrechnen. Die Unterschiede zwischen der Gruppe der genetisch identischen eineiigen Zwillinge und der Gruppe der zweieiigen Zwillinge sind dann erblich bedingt. Die Erkenntnis, dass Einsamkeitsgefühle zu 50 Prozent erblich sind, lässt sich als pauschale Aussage allerdings nicht mit bestimmten Genen im Erbmaterial in Verbindung bringen.
Wissenschaftler dachten bislang, dass schüchterne Menschen oder Personen mit geringer sozialer Bindungsfähigkeit zu Einsamkeitsgefühlen neigen. Die neue Studie zeigt, dass auch genetische Faktoren eine Rolle spielen. Da laut weiterer Studien Einsamkeit auch gesundheitliche Auswirkungen hat, könnte das Verständnis dieser Gefühlsstimmung auch Hinweise für Therapien bieten. So rückten andere Untersuchungen die Einsamkeit in Zusammenhang mit Herzerkrankungen.
Dorret Boomsma ( Universität in Amsterdam) et al.: Behavior Genetics (doi: 10.1007/s10519-005-6040-8). ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer





