Die nun untersuchten Quastenflosser-Weibchen standen kurz davor, ihren Nachwuchs zu gebären. 26 Embryos trug das eine Weibchen, das vor der Küste Mosambiks zufällig in ein Schleppnetz gegangen war, 23 das andere, das unbeabsichtigt von einheimischen Fischern vor Sansibar gefangen wurde. Bei vielen Fischarten findet die Befruchtung der Eier außerhalb des Körpers statt. Die Weibchen legen die Eier ab und anschließend geben die Männchen – das können auch mehrere sein – ihren Samen dazu. Quastenflosser bringen hingegen voll entwickelte junge Fische zur Welt. Laut Schätzungen der Wissenschaftler dauert die Schwangerschaft etwa drei Jahre.
Treue Quastenflosser-Damen
Bei ihren genetischen Untersuchungen nutzten die Forscher eine Technik, wie sie auch beim Menschen bei Vaterschaftsnachweisen zum Einsatz kommt: die Mikrosatelliten-Analyse. Mikrosatelliten sind kurze, aus nur wenigen Bausteinen bestehende Abschnitte der DNA, die keine Erbinformationen tragen, aber durch beide Elternteile vererbt werden. „Weil wir den Genotyp der Mutter kennen, konnten wir mit Hilfe der Mikrosatelliten-Analyse eindeutig zeigen, dass der Quastenflosser-Nachwuchs jeweils nur einen einzigen Vater hat”, sagt Manfred Schartl von der Universität Würzburg.
Warum sich die Weibchen jeweils nur mit einem Männchen paaren, ist unklar. Eigentlich würde Partnerwechsel die Chance auf eine erfolgreiche Befruchtung erhöhen: Solches Verhalten sorgt für eine hohe genetische Variabilität beim Nachwuchs und macht es möglich, dass die besten Gene weitergegeben werden. Den Forschern zufolge könnte es allerdings sein, dass im Fall des Quastenflossers die Vorteile einer mehrfachen Paarung die Kosten, die das Weibchen dafür zahlen muss, nicht überwiegen. Denn Partnerwechsel erfordert gesteigerten Energieaufwand und birgt die Gefahr, Fressfeinden zum Opfer zu fallen, und ein erhöhtes Infektionsrisiko.
Die Erbgutanalysen der Forscher lieferten auch noch einen weiteren interessanten Hinweis über das Fortpflanzungssystem der berühmten Fische: Möglicherweise vermeiden die Quastenflosser gezielt Inzucht. Vater und Mutter einer Brut waren nicht näher miteinander verwandt als die Mehrzahl von zufälligen Paaren einer Quastenflosser-Population, berichten die Wissenschaftler. Das könnte bedeuten, dass die Weibchen es vermeiden, sich mit nahen Verwandten zu paaren, oder dass andere Merkmale für die Wahl des passenden Partners ausschlaggebend sind, beispielsweise Größe und Körperbau oder die Widerstandskraft gegen Parasiten.





