Vampirfledermäuse können nicht am Geschmack ihres Futters erkennen, ob es unverträglich ist. Nahezu jedes andere Tier lernt, Nahrung zu vermeiden, von der es einmal krank geworden ist. Doch Vampirfledermäuse haben diese Geschmacksaversion offenbar im Laufe der Evolution verlernt, berichten kanadische Forscher in der Fachzeitschrift Animal Behaviour (Bd. 65, S. 385).
Die Biologen um Bennett Galef von der McMaster Universität in Hamilton experimentierten mit Vampirfledermäusen (Desmodus rotundus) und drei nahe verwandten Arten, die sich dagegen von Früchten oder Insekten ernähren. Die Wissenschaftler gaben den Tieren Futter, das sie mit für diese unbekannten Aromen wie Zimt oder Zitrone versehen hatten. Unmittelbar nach der Mahlzeit verabreichten sie den Tieren eine Injektion, nach der sich diese übergeben mussten. Die Insekten- und Früchtefresser vermieden nach dieser unangenehmen Erfahrung Nahrung, die nach diesen Aromen schmeckte. Vampirfledermäuse dagegen waren auch weiterhin mit Zimt- und Zitronen-Blut zufrieden.
Vermutlich brauchen Vampirfledermäuse die Fähigkeit nicht mehr, sagen Galef und seine Kollegen. Vampirfledermäuse ernähren sich vom Blut lebender Tiere. Sie verletzen ihre Beute mit ihren spitzen Zähnen oder ihren scharfen Krallen und lecken den roten Saft von der Wunde ab. Sollte Blut tatsächlich unverträglich oder giftig sein, wäre das vermeintliche Opfer wahrscheinlich gestorben, bevor die Fledermaus zuschlagen konnte, so die Theorie der Forscher.
Außerdem halten es die Biologen für möglich, dass die Tiere erst mit dem Verlust der Geschmacksaversion lernten, sich von Blut zu ernähren. So konnten frühe Vampirfledermäuse den Lebenssaft auch in größeren Mengen bei sich behalten, vermuten die Forscher.
ddp/bdw ? Cornelia Pfaff





