Geschmeidig, „fingerfertig“ und hochintelligent: Die auch Kraken genannten Oktopusse gehören zu den skurrilsten und prominentesten Bewohnern der Meere. Sie haben zahlreiche Arten hervorgebracht, die viele unterschiedliche Lebensräume besiedeln. Ihr Erfolg beruht dabei auf dem Merkmal, das auch ihren Namen prägt – Oktopus bedeutet „Achtfuß“. Mit ihren flexiblen und Saugnapf-bewährten Anhängseln können sie sich viele Nahrungsquellen erschließen. Sie bilden gemeinsam mit den Vampirtintenfischähnlichen (Vampyromorpha) die übergeordnete Gruppe der sogenannten Vampyropoda – der Achtarmigen Tintenfische. Die Anzahl der Tentakel unterscheidet sie dabei von der zweiten großen Gruppe der Kopffüßer: den Cephalopoda – den zehnarmigen Tintenfischen. Zu ihnen gehören die Sepien und Kalmare mit ihren eher torpedoförmigen Körpern.
Einblick in die Evolutionsgeschichte
Über die Evolutionsgeschichte der Achtarmigen Tintenfische ist vergleichsweise wenig bekannt, denn von ihren weichen Körperstrukturen ist nur selten etwas erhalten geblieben. Die ältesten bisher entdeckten fragmentarischen Überreste wurden auf ein Alter von etwa 240 Millionen Jahre datiert. Das Verfahren der sogenannten molekularen Uhr ließ allerdings eine tiefer reichende Entwicklungsgeschichte vermuten: Spuren im Erbgut heutiger Vertreter der Vampyropoda legten ein Alter von über 300 Millionen Jahre für diese Entwicklungslinie der Kopffüßer nahe.
Zu diesem Ergebnis passt nun die aktuelle Entdeckung von Christopher Whalen und Neil Landman vom American Museum of Natural History in New York. Sie berichten über ein außergewöhnlich gut erhaltenes Fossil eines urzeitlichen Vertreters der Achtarmigen Tintenfische, das aus der Sammlungen des Royal Ontario Museums stammt. Eigentlich wurde es bereits 1988 in einer Fossilienlagerstätte in Montana entdeckt. Erst jetzt zeigte die genaue Untersuchung durch die beiden Paläontologen allerdings die Bedeutung des Fossils auf.
Der Datierung zufolge hat das etwa zwölf Zentimeter lange Wesen vor rund 328 Millionen Jahren gelebt. Wie die Untersuchungen seiner Körperstrukturen ergaben, wies der Kopffüßer Merkmale auf, die ihn klar als einen Vertreter der Vampyropoda ausweisen. Syllipsimopodi bideni verschiebt damit nun die fossile Überlieferung seiner Gruppe um etwa 82 Millionen Jahre in die Vergangenheit, heben die Forscher hervor. Der wohl interessanteste Aspekt ist allerdings, die Anzahl seiner Arme: “Dies ist der erste und einzige bekannte Vertreter der Achtarmigen Tintenfische, der zehn funktionale Anhängsel besitzt”, sagt Whalen.
Ursprünglich waren es zehn
Wie er und sein Kollege erklären, bestätigt dieser Befund die Annahme, dass der ursprüngliche Vorfahre der Achtarmigen Tintenfische noch zehn Arme besessen hat. Die Grundlage dafür bildeten bisher Hinweise darauf, dass Kraken zu ihren acht Armen kommen, indem zwei Einheiten eliminiert werden. Beim Vampirtintenfisch sind sie interessanterweise noch als Filamente erhalten – rudimentäre Überbleibsel von Armen. “Dieses Fossil liefert nun die erste konkrete Bestätigung, dass diese Kopffüßer ursprünglich zehn Arme besaßen”, so Whalen.





