Durch Flossen und weitere Anpassungen wurden sie zu Wassertieren: Die Entwicklungslinie der Wale geht auf landlebende Säugetiere zurück, die sich im Laufe ihrer Evolution immer mehr auf ein vollaquatisches Leben spezialisierten. Das Konzept erwies sich als sehr erfolgreich: Die Wale brachten im Lauf ihrer Entwicklungsgeschichte unterschiedliche Gruppen und viele Arten hervor. So entstanden auch besondere Vertreter der Zahnwale, die als Delfine bezeichnet werden. Auch sie brachten wiederum verschiedene Arten hervor, die sich an spezielle Lebensweisen und Lebensräume anpassten. Einige der Meeresbewohner drangen schließlich auch in die großen Flusssysteme und Süßgewässer der Erde vor. Dort entwickelten sie sich dann durch spezielle Anpassungen zu den Flussdelfinen. Vertreter dieser Kategorie kommen heute noch in Gewässern Südostasiens sowie in der Amazonasregion vor.
Ein Riesendelfin Ur-Amazoniens
Von dort stammt auch der neuentdeckte fossile Vertreter der Süßwasserdelfine, über den das Forschungsteam um Aldo Benites-Palomino vom Paläontologischen Institut der Universität Zürich nun berichtet. Das Fossil des Tieres wurde an einem Fundort am Ufer des Flusses Rio Napo im peruanischen Amazonasgebiet entdeckt. Es handelt sich um ein etwa 70 Zentimeter langes Relikt, das Teile des Schädels und der Schnauze umfasst.

Es wurde in einer Fundschicht entdeckt, die sich auf das mittlere Miozän datieren lässt. Damit ist das Fossil rund 16 Millionen Jahren alt, sagen die Forschenden. Im Rahmen der Studie unterzogen sie es nun einer genauen morphologischen Analyse, um die Merkmale des Tieres einschätzen und es in den Stammbaum der Delfine einordnen zu können.
Grundsätzlich war anhand bestimmter Merkmale deutlich zu erkennen, dass es sich um einen Delfin gehandelt hat, der an ein Leben im Süßwasser angepasst war. „Für Flussdelfine ist die Echoortung, auch Biosonar genannt, im Vergleich zu marinen Delfinen noch wichtiger. Denn die Gewässer, in denen sie leben, sind extrem schlammig, was ihre Sicht behindert“, erklärt Co-Autor Gabriel Aguirre-Fernández von der Universität Zürich. Die längliche Schnauze mit den vielen Zähnen deutet ebenfalls darauf hin, dass sich dieser Delfin in einer Weise ernährte, wie es auch heute noch von Flussdelfinarten bekannt ist. Das Besondere an dem Tier war allerdings die enorme Größe. Auf der Grundlage der Ausmaße des Schädels kamen die Forschenden zu dem Schluss, dass dieses Exemplar bis zu 3,50 Metern lang gewesen ist. Ihnen zufolge handelt es sich damit um den größten bekannten Vertreter der Flussdelfine. Das Team gab der Art den Namen Pebanista yacuruna – in Anlehnung an ein mythisches Wasservolk des Amazonasbeckens.





