Eine Sorgenregion der Erde im Fokus: Kaum ein Bereich hat sich in den vergangenen Jahrzehnten so stark erwärmt wie die Arktis. Dies macht sich unter anderem durch die immer kleiner werdenden Meereisflächen bemerkbar. Jedes Jahr breitet sich das arktische Meereis ab Herbst aus, bis es durch die milderen Temperaturen im Frühling wieder schrumpft. In den letzten Jahrzehnten hat sich das sommerliche Minimum der Meereis-Ausdehnung jedoch drastisch reduziert. In den 1980er Jahren entsprach sie noch etwa der 20-fachen Fläche Deutschlands. In den vergangenen Jahren blieb im Sommer hingegen durchschnittlich nur noch die 10-fache Fläche übrig. Wenn der Klimawandel ungebremst fortschreitet, befürchten Forscher, dass ab 2030 auch die zentralen Bereiche der Arktis im Sommer eisfrei sein werden. Dies könnte wiederum mit erheblichen Folgen für das Klima verbunden sein.
Mit einer Eisscholle unterwegs durchs Nordpolarmeer
Ziel der Expedition „Multidisciplinary drifting Observatory for the Study of Arctic Climate“, kurz MOSAiC, ist es, die Prozesse in der Arktis besser zu verstehen. Etwa 300 Wissenschaftler aus 16 Ländern nehmen an der aufwendigen Mission teil. Sie wollen das gesamte Klimasystem in der Zentralarktis erforschen: Sie sammeln Informationen in den fünf Teilbereichen Atmosphäre, Meereis, Ozean, Ökosystem und Biogeochemie, um die Wechselwirkungen zu verstehen, die das arktische Klima und das Leben im Nordpolarmeer prägen. Erfasst werden die Daten auf einer Eisscholle, auf der die Wissenschaftler vom Schiff Polarstern aus ihr Forschungscamp errichtet haben. Seit Oktober 2019 nimmt die Scholle sie nun mit auf ihrer Reise durch das Nordpolarmeer, die durch die Strömungen angetrieben wird.
Wie die Forscher berichten, war es nicht einfach, im Herbst 2019 eine Scholle mit ausreichender Dicke zu finden. Denn im vorhergehenden Sommer hatten die arktischen Temperaturen erneut Rekordwerte erreicht, wodurch es zu einer enormen Schmelze gekommen war. Im Rahmen der aktuellen Studie sind die Wissenschaftler nun der Frage nachgegangen, woher die Scholle stammte, an der die Polarstern am 4. Oktober 2019 schließlich anlegte. Sie werteten dazu Satellitendaten aus und führten Modellrechnungen zur Bewegung der etwa 2,5 mal 3,5 Kilometer messenden Scholle durch.
Grüße von der sibirischen Küste
„Unsere Studie zeigt, dass die Scholle im Dezember 2018 im Flachwasserbereich der russischen Schelfe gebildet wurde“, berichtet Co-Autor Thomas Krumpen vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI). Konkret handelt es sich bei dem Entstehungsort um einen Bereich vor den Neusibirischen Inseln, die die Ostsibirische See und die Laptewsee nördlich von Sibirien voneinander trennen. Den Ergebnissen zufolge hatte die MOSAiC-Eisscholle bereits 1200 Seemeilen im Zickzackkurs zurückgelegt, bis sie den Treffpunkt mit der Polarstern erreichte.






