Kieferfragment schließt Stammbaumlücke
Bei dem Fund handelt es sich um ein 1994 von der Paläontologin Maeve Leakey in den Lokone Hills in Kenia entdecktes Kieferfragment. Dieses wurde im Nationalmuseum in Kenia aufbewahrt, bis nun Lihoreau und seine Kollegen es wiederentdeckten und gemeinsam mit weiteren Fossilien erstmals näher analysierten. Wie ihre Untersuchung ergab, ist der Kiefer rund 30 Millionen Jahre alt und stammt von einem Vertreter der Anthracotheriidae – einer Paarhufergruppe, die genau in der Zeit lebte, in der bisher die große Lücke in der Evolution der Flusspferde klaffte. Diese eher schwerfälligen Tiere hatten äußerlich einige Ähnlichkeiten mit heutigen Flusspferden und auch Schweinen, ihre Stellung im Stammbaum war aber unklar.
Wie die Forscher feststellten, vereinen Zähne und Kiefer des Fossils Merkmale von frühen Paarhufern mit denen heutiger Flusspferde. Sie sprechen dafür, dass es damit zu den direkten Vorläufern der Flusspferde gehören könnte. Anhand der Merkmale ordnen die Paläontologen den Fund zudem in die Bothriodontinae ein, eine ausgestorbene Untergruppe der Anthracotheriidae. Möglicherweise, so erklären die Forscher, sind sie die lange gesuchten Urahnen der heutigen Flusspferde – und könnten so die rätselhafte Lücke im Fossilstammbaum schließen. Das Epirigenys lokonensis getaufte Fossil platzieren sie jedenfalls in ihrem neuen Stammbaumvorschlag zusammen mit den echten Flusspferden und dem einzigen weiteren bekannten Vertreter der Bothriodontinae in einen gemeinsamen Zweig.
Sollte sich dieser Stammbaum-Entwurf bestätigen, dann gehörten die Vorfahren der Flusspferde zu den ersten großen Säugetieren, die vor rund 40 Millionen Jahren aus Asien nach Afrika einwanderten. Erst dort entstanden dann vor rund 20 Millionen Jahren Jahren die ersten echten Ur-Flusspferde. Ihre Nachfahren wiederum breiten sich dann zeitweilig bis nach Europa und Asien aus. Heute kommen die wasserliebenden Schwergewichte allerdings nur noch im südlichen Afrika vor.





