Auf den ersten Blick ist sie eher unscheinbar: Betrachtet man die Blaugrüne Felskugel unter dem Mikroskop, sieht man nur ein paar rundliche, grüne Gebilde. Doch dieses Cyanobakterium kommt nahezu überall auf der Erde vor: “Die Blaugrüne Felskugel lebt in Europa, der Arktis und der Antarktis, in der afrikanischen Namib-Wüste, auf dem australischen Uluṟu, im US-amerikanischen Grand Canyon und in Asien in den Wüsten Gobi und Taklamakan”, berichtet Algenforscher Burkhard Büdel von der TU Kaiserslautern. Selbst unter Quarzkieseln in der hochgelegenen Tundra Tibets oder in Flechten auf tropischen Inselbergen kommt der Pionier unter den Algen vor.
Pionierarbeit an Extremstandorten
An lebensfeindlichen Orten ist die Blaugrüne Felskugel meist das erste und zunächst einzige Lebewesen, dass sich ansiedeln kann. Denn sie verträgt nicht nur hohe und niedrige Salzkonzentrationen und UV-Strahlung, sondern verkraftet auch ein breites Temperaturspektrum. Außerdem übersteht der nur wenige Tausendstel Millimeter große Einzeller selbst starken Wassermangel ziemlich problemlos.
Die Blaugrüne Felskugel überlebt sogar dann noch, wenn sie nur an fünf bis sechs Tagen im Jahr genug Wasser hat um aktiv zu sein. Benetzt man das Cyanobakterium wieder mit Wasser, läuft die Fotosynthese schon nach 10 bis 20 Minuten wieder auf Hochtouren. “Wir haben Chroococcidiopsis sowohl in den obersten drei bis vier lichtdurchlässigen Millimetern in Granit, Marmor und Sandsteinen als auch in den trockenen Böden der Wüsten und in heißen Quellen gefunden”, schildert Büdel.
Braucht kaum Licht
Die blaugrüne Felskugel kommt darüber hinaus mit extrem wenig Licht aus. Mit Hilfe ihrer Phycobilin-Pigmente können die Cyanobakterien an sehr dunklen und lichtarmen Standorten das wenige zur Verfügung stehende Licht optimal für die Photosynthese ausnutzen. “Die Blaugrüne Felskugel benötigt nur ein Zehntel der Lichtmenge eines trüben Wintertages und weniger als ein Fünfunddreißigstel der Menge eines sonnigen Sommertages”, veranschaulicht Büdel.
Diese Fähigkeit ermöglicht es den Algen, selbst an der Unterseite von Steinen oder unter der Steinoberfläche Photosynthese zu betreiben – an Orten, an dem viele andere Lebewesen die Sonne nicht mehr zur Energiegewinnung nutzen können. Dadurch besiedelt die Blaualge selbst Steine und Böden in der Arktis und Antarktis und trägt in Trockengebieten dazu bei, die Wüstenbildung aufzuhalten.

Die Blaugrüne Felskugel lebt oft in den obersten Schichten von Steinen, wie in diesem aufgebrochenen Gipsstein. (Foto: Deutsche Botanische Gesellschaft)





