Sophie von La Roche zog es in die Schweizer Alpen, Mary Shelley reiste durch halb Europa. Bei Bettina Brentano und Annette von Droste Hülshoff waren lange Spaziergänge essenziell für den Schreibprozess. Octavia Butler hatte nie einen Führerschein, streifte stets zu Fuß durch ihre Heimatstadt Pasadena in Kalifornien und lässt ihre Heldin durch ein postapokalyptisches Amerika streifen. Neben der Naturerfahrung und der Suche nach Inspiration spielte das Gefühl persönlicher Freiheit als Frau eine wesentliche Rolle. Mitunter trug das Schreiben über die Reisen zum Gelderwerb bei. Zugleich zeigt die Autorin spannende Verbindungen zwischen den schreibenden Frauen auf und gibt Einblicke in ihre Netzwerke.
Lubkowitz erzählt von eigenen Lektüren und Recherchen. Und sie nimmt die Leser mit auf ausgewählte Touren – ob nach Schottland, an die italienische Amalfiküste, nach Südfrankreich oder vor die „Haustür“ nach Berlin und Brandenburg. Mehrfach kreuzen sich ihre Wege mit denen der erwähnten Autorinnen. Für eine Tour durch das butlersche Pasadena nutzt sie allerdings die Möglichkeiten von Google Maps.
Ihr glänzend recherchierter Band ist eine wundervolle Mischung aus eindrücklichen Landschaftsbeschreibungen und Gedanken über die positiven Effekte des Gehens. Er ist reich an erhellenden Einblicken in das Leben und Werk der Schriftstellerinnen, mit großer Hingabe für die Literatur und Natur sowie einem sympathischen Augenzwinkern verfasst. Tipps am Ende des Buchs motivieren für das eine oder andere Abenteuer im Alltag und wecken Lust, selbst die Wanderschuhe zu schnüren. Constanze Matthes
Anneke Lubkowitz
Rebellinnen zu Fuß. Auf den Spuren von elf literarischen Wanderinnen
Verlag Kein & Aber. 304 S., 26 €





