Eine unvollständige Entwicklung der Plazenta ist die Ursache von Präeklampsie, einer schweren Erkrankung in der zweiten Schwangerschaftshälfte. Das berichteten britische Mediziner auf einer Tagung der Gesellschaft für Endokrinologie in London. Ihre Erkenntnisse könnten neue Möglichkeiten für die frühe Diagnose und Behandlung der Krankheit eröffnen, hoffen die Wissenschaftler.
In den ersten zwanzig Wochen der Schwangerschaft entwickelt sich der Blutkreislauf, der die Plazenta versorgt. Wenn es dabei zu einer Störung kommt, produziert der Mutterkuchen ein bestimmtes Hormon, das so genannte Neurokinin B. Auf den Körper des Ungeborenen scheint das keine Auswirkungen zu haben. Bei der Mutter lässt Neurokinin B jedoch den Blutdruck steigen, fand das Team um Phil Lowry von der Universität Reading heraus.
Durch den erhöhten Blutdruck gelangen mehr Nährstoffe über den Mutterkuchen zum Fötus. Die Ausschüttung von Neurokinin B verhindert somit eine Unterversorgung der Plazenta und damit des Ungeborenen. Zugleich löst der hohe Blutdruck aber auch die Präeklampsie aus und gefährdet dadurch Mutter und Kind.
Präeklampsie tritt bei bis zu zehn Prozent der Schwangerschaften auf. Die Erkrankung geht mit Bluthochdruck, Eiweiß im Urin, Übelkeit, Sehstörungen und Benommenheit einher. Sie kann zu Krämpfen führen und schlimmstenfalls für Mutter und Kind tödlich enden. Bislang können Ärzte bei einem schweren Verlauf der Präeklampsie nur helfen, indem sie das Kind frühzeitig auf die Welt holen.
Ihre Beobachtungen könnten nun mit der frühzeitigen Diagnose der Präeklampsie auch eine rechtzeitige Behandlung ermöglichen, hoffen Lowry und seine Kollegen. Dass Neurokinin B im Körper der Mutter anders wirkt als in dem des Kindes, gebe zudem Aufschluss darüber, wie die Plazenta durch die Ausschüttung von Hormonen in den mütterlichen Stoffwechsel eingreift.
ddp/bdw ? Katharina Vogelmann





