Wasser in der Tiefe ist maßgeblich an Prozessen der Plattentektonik und damit auch an der Entstehung von Erdbeben beteiligt. Das hat ein internationales Team von Geowissenschaftlern bei Untersuchungen in Neuseeland belegen können. Die Forscher fanden in bis zu 100 Kilometer Tiefe Hinweise auf Wasser, das die Bewegung der tektonischen Platten beeinflusst, die Struktur der Erdkruste verändert und Auslöser von Erdbeben sein kann.
Die Wissenschaftler untersuchten die sogenannte Subduktionszone bei Neuseeland. Dort traf vor etwa 20 Millionen Jahren die pazifische auf die australische Platte und begann, sich unter diese zu schieben ? ein Prozess, der bis heute anhält und immer wieder zu Erdbeben führt. An mehreren Stellen in dieser Zone machten die Forscher sich mit einer Magnetotellurik genannten Technik ein Bild von der Zusammensetzung der Erde bis in größere Tiefen. Bei diesem Verfahren werden durch den Sonnenwind und durch Blitze bei Gewittern entstehende elektromagnetische Wellen genutzt, um Informationen über die Zusammensetzung des Untergrunds zu gewinnen.
Die Forscher entdeckten sogar drei verschiedene Prozesse, an denen Wasser beteiligt ist. Zunächst fanden sie Wasser in etwa 15 Kilometer Tiefe, das vermutlich aus Meeressedimenten herausgepresst wird, die zwischen die sich übereinander schiebenden Platten geraten sind. Es dringt in Klüfte im Gestein an der Bruchzone ein und weicht es dadurch auf. In etwa 30 Kilometer Tiefe stießen die Forscher auf Wasser, das wohl einst im Gestein chemisch gebunden war und nun als eine Art Schmiermittel zwischen den Platten wirkt. Schließlich beobachteten sie in bis zu 100 Kilometer Tiefe Wasser, das blasenförmig nach oben steigt und so Erdbeben auslösen könnte.
Die Resultate geben einen bisher unbekannten Einblick in die Vorgänge in der Erde, erklärt Studienleiter Philip Wannamake von der Universität von Utah in Salt Lake City. Den meisten Menschen sei nicht klar, dass Flüssigkeiten bei der Entstehung von Erdbeben eine wichtige Rolle spielen.
Philip Wannamaker ( Universität von Utah in Salt Lake City): Nature, Bd. 460. S. 733 ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald





