Die Immunabwehr von Krebspatienten so zu verstärken, dass die Tumorzellen abgetötet werden, ist eine der möglichen Strategien gegen Krebs. Mark Smyth und seine Mitarbeiter vom Peter MacCallum Cancer Institute in East Melbourne konnten in Versuchen mit Mäusen zeigen, dass eine Aktivierung der angeborenen, unspezifischen Immunabwehr gegen Krebszellen dabei hilft, auch eine dauerhafte, spezifische Immunität zu erzeugen. Damit haben sie erstmals das Zusammenwirken beider Arten der Immunabwehr nachgewiesen. Die Arbeit erscheint in der Online-Ausgabe des Fachblatts Nature Immunology.
Zellen, die sich krebsartig verändert haben, werden von beiden Komponenten des Immunsystems angegriffen. Als Teil der unspezifischen Immunabwehr binden die so genannten Natürlichen Killerzellen, kurz NK-Zellen, an Oberflächenstrukturen und zerstören die Krebszellen. Die Bindung und Aktivierung spezieller T-Lymphozyten, die zur spezifischen Immunabwehr gehören, lassen Gedächtniszellen entstehen und führen zur Immunität. Die T-Lymphozyten werden aber nicht aktiviert, wenn die Krebszellen die für die Bindung an der Oberfläche notwendigen MHC-Proteine nicht mehr produzieren.
Die australischen Wissenschaftler markierten Tumorzellen durch eine Gentherapie mit CD70-Oberflächenproteinen. Dadurch wurden sie von den NK-Zellen schneller abgetötet. CD70 ist ein bei Zellen einiger menschlicher Krebsarten nachgewiesenes Membranprotein. Ausgelöst durch die MHC-unabhängige Bindung an die CD70-Proteine des Tumors, setzen die NK-Zellen den Signalstoff Gamma-Interferon frei und stimulieren dadurch die T-Lymphozyten. Das begünstigt die Ausbildung eines dauerhaften Immunschutzes, was bei einem späteren nochmaligen Auftreten von Tumorzellen eine schnelle spezifische Abwehr ermöglicht. “Dass die Aktivität von NK-Zellen die T-Zellen-Immunität fördert, ist bisher noch nicht allgemein akzeptiert oder nachgewiesen worden”, schreiben die Autoren.
Zu überprüfen bleibt, ob die gleichen Prozesse in dieser Form auch beim Menschen ablaufen. Wenn das so ist, könnte eine Aktivierung von NK-Zellen mithilfe des CD70-Proteins für eine Immuntherapie ausgenutzt werden.
Joachim Czichos





