natur: Herr Botschafter, Ihr Land plant, große Ölvorräte in einem Naturschutzgebiet nicht anzutasten, sofern die Welt dafür 3,5 Milliarden US-Dollar bezahlt – die Hälfte der erwarteten Einnahmen. Sie selbst haben die „Yasuní-ITT”-Initiative als „wichtigstes Projekt der Welt” bezeichnet. Stehen Sie noch immer dazu?
Jurado: Ja, denn es gibt kein anderes Umweltprojekt, das so viele Ziele gleichzeitig verfolgt. Erstens den Klimaschutz: Indem wir das CO2 aus dem Öl nicht freisetzen, bremsen wir die Erwärmung der Atmosphäre. Und wir schützen die einmalige Artenvielfalt im Nationalpark Yasuní. Auf einem einzigen Hektar stehen dort mehr Baumarten als in ganz Nordamerika zusammen, die obendrein CO2 binden. Außerdem schützen wir vom Aussterben bedrohte Menschengruppen, etwa Stämme der Huaorani, wenn das Öl in ihrem Lebensraum im Boden bleibt. Wir wollen mit der Initiative beweisen, dass es einen anderen Weg der Entwicklung geben kann, der nicht mehr auf der Ausbeutung unserer Natur beruht. Bis jetzt war die Entwicklung immer stark auf die Gewinnung von Rohstoffen fokussiert.
Sie selbst haben Energietechnik in Berlin studiert. Gleichzeitig wollen Sie 850 Millionen Barrel Öl nicht antasten. Schmerzt es Sie als Ingenieur denn nicht, diese Ressourcen ungenutzt zu lassen?
Als Techniker habe ich genau gesehen, dass es wesentlich bessere Energie-Alternativen gibt. Wir haben im Land genügend andere Ressourcen – etwa Wasser – mit denen wir unseren Energiebedarf decken können. Die fossilen Energieträger könnten für wertvollere Produkte, zum Beispiel Kunsstoffe, genutzt werden, als sie einfach als Kraftstoffe zu verbrennen. Das schmerzt mich: dass wir als Menschheit, obwohl wir die Technik längst haben, das Erdöl nicht besser verwenden als bisher. Wir suchen in Ecuador ja immer noch nach Erdöl, nur eben nicht in Yasuní, das ist unser Kompromiss.
Sie haben viel Lob für die Idee bekommen, das Öl im Gegenzug für Kompensationszahlungen im Boden zu lassen. Dennoch sind seit 2007 noch längst nicht die geforderten Millionen auf dem UN-Treuhandfonds eingegangen. Ihr Präsident Rafael Correa hat gesagt, die Initiative habe viel weniger eingenommen als erhofft, Sie selbst haben die finanzielle Situation als „nicht rosig” bezeichnet. Scheitert die Initiative?
Wir haben von fast jeder Regierung auf der Welt viel politischen Rückhalt bekommen. Als es jedoch an das Finanzielle ging, an konkrete Zusagen, gab es große Schwierigkeiten. Es läuft viel zu langsam, aber es läuft. Bis jetzt haben wir nach den jüngsten Zahlen rund 338 Millionen US-Dollar erreicht. Was wir schaffen wollen, sind 3,5 Milliarden – binnen 13 Jahren.






