Das Problem ist nicht neu: Als Reaktion auf die Dürre- und Hungerkatastrophe der 1970er Jahre in der Sahelzone fand schon 1977 in Nairobi die erste UN-Konferenz zur Bekämpfung der Wüstenbildung statt. 1994 trat dann die UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD) in Kraft – vor genau 30 Jahren. Ziel der Konvention ist es, die fortschreitende Degradierung und Übernutzung der Böden weltweit zu bremsen und damit auch die Wüstenbildung aufzuhalten. Ab dem heutigen Montag, dem 22. Dezember 2024, findet in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad die inzwischen 16. Vertragsstaatenkonferenz der UNCCD statt. Doch anders als der Weltklimagipfel oder die Biodiversitätskonferenz erhält der “Wüstengipfel” gerade in der westlichen Welt weit weniger Aufmerksamkeit – zu Unrecht. Denn auch wenn die Desertifikation und Degradierung der Böden oft schleichend voranschreitet und daher weniger sichtbar ist als Starkregen, Überschwemmungen oder andere Wetterextreme, sind die Folgen dramatisch.
“World Drought Atlas ist ein Weckruf”
Wie es um das Problem der Dürren und seine Ursachen steht, zeigt nun der neue Weltdürreatlas der UN. Die von der UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung und dem Forschungszentrum der Europäischen Kommission (JRC) herausgegebene Publikation ist die bisher umfassendste globale Publikation zu den Risiken und Ursachen von Dürre, aber auch zu deren Lösung. Der World Drought Atlas zeigt die systemische Natur der Dürrerisiken durch Dutzende von Karten, Infografiken und Fallstudien. Er illustriert, wie Dürrerisiken über Sektoren wie Energie, Landwirtschaft, Binnenschifffahrt und internationalen Handel hinweg vernetzt sind und wie sie Kaskadeneffekte auslösen können. Der Atlas zeigt diese Auswirkungen der Dürre in fünf Schlüsselbereichen – Wasserversorgung, Landwirtschaft, Wasserkraft, Binnenschifffahrt und Ökosysteme. Er enthält zudem 21 Fallstudien aus aller Welt und zeigt, dass kein Land – unabhängig von seiner Größe, seinem Bruttoinlandsprodukt oder seiner geografischen Lage – gegen Dürren immun ist, auch in Europa nicht.

“Dieser World Drought Atlas ist ein Weckruf”, sagt Ibrahim Thiaw, Exekutivsekretär der UNCCD. “Er erinnert uns daran, dass Dürren keine Grenzen kennen und keine Region oder kein Land, unabhängig von ihrem Entwicklungsstand, gegen ihre Auswirkungen immun ist. Er erinnert uns auch daran, dass unsere Handlungen weitreichende Konsequenzen haben – für uns alle. Je mehr die Welt miteinander vernetzt wird, desto mehr teilen wir auch die Risiken.” So zeigen Klimadaten, dass Dürren seit dem Jahr 2000 um 29 Prozent zugenommen haben und schon jetzt zu den teuersten und tödlichsten Naturgefahren der Welt gehören. Prognosen zufolge könnten bis zum Jahr 2050 drei von vier Menschen weltweit von Dürre betroffen sein. „Desertifikation ist nicht nur ein Problem in weit entfernten Regionen wie der Sahara, sondern betrifft auch Teile Europas, insbesondere den Mittelmeerraum”, kommentiert Kathleen Hermans vom Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) in Halle an der Saale. In Spanien sind rund drei Viertel des Landes von Desertifikationsrisiken betroffen, während in Portugal über die Hälfte des Landes gefährdet ist und in Italien fast 60 Prozent der Fläche eine mittlere bis hohe Anfälligkeit aufweisen.





