Bevor der kommerzielle Walfang 1986 durch die Internationale Walfangkommission IWC verboten wurde, brachte er die Pottwal-Bestände im Nordpazifik an den Rand der Ausrottung. “Allein im 20. Jahrhundert wurden mehr als 670.000 dieser Wale getötet, davon 315.000 im Nordpazifik – vornehmlich durch Japan und die Sowjetunion”, berichten Yulia Ivashchenko und Phillip Clapham vom National Marine Mammal Laboratory in Seattle.
Die Walfang-“Bombe”
Dabei gab es auch schon vor dem Walfang-Moratorium der IWC durchaus Vorschriften. Nach diesen durften nur Pottwale einer Mindestlänge von 11,6 Metern gefangen werden, außerdem verpflichteten sich die Mitglieder, ihre Fangzahlen und die Längen der Tiere nach jeder Saison zu melden. Lange galten diese offiziellen Fangstatistiken auch als verlässlich.
Doch 1990, nach Zusammenbruch der Sowjetunion, platzte die Bombe: Aus geheimen Dokumenten ging hervor, dass die Sowjetunion bis Ende der 70er Jahre knapp 180.000 Pottwale illegal gefangen hat. Die offiziellen Fangzahlen wurden systematisch gefälscht, um dies zu kaschieren. Nachdem dies herausgekommen war, wurden auch die japanischen Fangzahlen überprüft und es gab erste Berichte von ebenfalls gefälschten Statistiken einiger küstennaher Walfangstationen in Japan.
Wie verlässlich sind Japans Fangstatistiken?
“Aber trotz dieser Hinweise hat es bisher keine Untersuchung darüber gegeben, wie verlässlich die Fangzahlen der japanischen Hochsee-Walfangflotte waren und sind”, berichten die Biologen. Stattdessen beteuerten noch 1999 japanische Mitglieder der Internationalen Walfang-Kommission: “Die pelagischen Fangstatistiken Japans sind korrekt.”
Dass dies zumindest für die Vergangenheit eine eindeutige Lüge ist, weisen Ivashchenko und Clapham nun in ihrer Studie nach. Die Forscher haben sich dafür die Tatsache zunutze gemacht, dass die sowjetischen Fangflotten Ende der 60er Jahre im gleichen Gebiet operierten wie die japanischen. Dadurch konnten sie die mittlerweile aufgetauchten echten Fangstatistken mit den offiziellen Angaben der Japaner abgleichen.
Eindeutig gefälscht
Dabei ergaben sich klare Diskrepanzen: In der Saison 1968/69 töteten illegale sowjetische Walfänger im Nordpazifik 12.578 weibliche Pottwale, von denen nur gut sechs Prozent das vorgeschriebene Fanglimit von 11,6 Metern Länge erreichten. Die offiziellen japanischen Statistiken listen dagegen 1.568 Pottwale, von denen angeblich 97 Prozent die Minimallänge erreicht hatten. “Damit war der Anteil der ausreichend großen Tiere in den japanischen Fängen angeblich 15 Mal größer als in den sowjetischen”, konstatieren die Forscher.





