Viele Menschen kennen das: Da überkommt einen plötzlich eine schlechte Laune, die unerklärlich zu sein scheint, denn eigentlich ist alles in Ordnung. Eine amerikanische Psychologin von der Ohio State University ist diesem Phänomen jetzt auf den Grund gegangen. Sie kam zu dem Schluss, dass eine unerklärliche schlechte Stimmung häufig ihre Ursache in unbewussten Zielen hat. Ihre Erkenntnisse präsentierte die Forscherin Mitte Juni auf dem Jahrestreffen der American Psychological Society in Toronto.
Unbewusste Ziele sind Ziele, die man vor langer Zeit verinnerlicht hat, ohne sich dessen in der aktuellen Situation bewusst zu sein. Als Beispiel nennt Psychologin Tanya Chartrand die Ziele, die mit dem Besuch von Partys verbunden sind. Wenn Teenager beginnen auf Partys zu gehen, dann denken sie noch sehr bewusst daran, wie sie sich zurechtmachen und wie sie sich präsentieren können, um gut zu wirken. Mit der Zeit gleiten die Ziele, sich positiv zu präsentieren oder hip zu kleiden, ins Unbewusste ab. Dennoch sind sie bei jedem neuen Party-Besuch vorhanden. In Situationen, in denen diese unbewussten Ziele nicht erreicht werden, kommt bei den Betroffenen schlechte Laune auf, ohne dass sie sich dies erklären könnten.
Tanya Chartrand hat mit studentischen Versuchspersonen mehrere Experimente durchgeführt, mit denen sie ihre Theorie belegen konnte. So hat sie einer Gruppe von etwa 50 Studenten Wörter zu einem Satz zusammenfügen lassen, der von “vollenden”, “gelingen”, “streben” handelte. Eine andere Gruppe von Studenten sollte ebenfalls aus einzelnen vorgegebenen Wörtern einen Satz bilden, in diesem Fall aber einen Satz mit neutralem Inhalt. Nach dieser Aufgabe sollten die Studenten aus einem Anagramm neue Wörter bilden. Eine Gruppe bekam eine leichte, die andere eine schwierigere Anagramm-Aufgabe.
Es zeigte sich, dass diejenigen mit dem vorangegangenen “Erfolgs”-Satz und der leichten Anagramm-Aufgabe sich hinterher in guter Stimmung befanden. Die Studenten, die ebenfalls den “Erfolgs”-Satz zusammengesetzt hatten, aber anschließend die schwierige Anagramm-Aufgabe zu lösen hatten, waren in schlechter Stimmung. Im Unterschied dazu bemerkten die Studenten, die am Anfang einen Satz neutralen Inhalts zusammengesetzt hatten, keinerlei Stimmungsverschlechterung oder -verbesserung, ganz gleich, ob sie die leichte oder schwierige Anagramm-Aufgabe zu lösen hatten. So hatte der Inhalt des Satzes, den die Versuchspersonen zusammensetzen sollten, Ziele vermittelt, die die Versuchspersonen unbewusst verfolgten. “Die ganze Zeit erfüllen wir unbewusste Ziele oder scheitern an ihnen”, sagt Chartrand. “Die Forschung ist erst am Anfang damit zu zeigen, wie dies unsere Stimmungen berührt, unseren Auftritt und die Urteile, die wir über andere fällen. Es ist von außerordentlicher Wichtigkeit.”
Doris Marszk





