Berliner Forscher wollen sehr schwache Reizungen der Haut, die nicht bewusst wahrgenommen werden, in der Schmerztherapie einsetzen: Sie können stärkere Reize unterdrücken, wie sie beispielsweise bei Phantomschmerzen auftreten, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt Science (Bd. 299, S. 1864).
Sehr schwache elektrische Reize auf der Haut werden zwar nicht bewusst wahrgenommen, lösen aber Reaktionen im Gehirn aus, die sich mithilfe der elektrischen Hirnströme (EEG) messen lassen. Wissenschaftler der Humboldt-Universität und der Freien Universität in Berlin haben nun die Auswirkungen dieser schwachen Impulse auf die Verarbeitung nachfolgender starker elektrischer Reize untersucht. Zur Bestimmung der Aktivität in verschiedenen Hirnregionen verwendeten sie die so genannte funktionale Magnet-Resonanz-Tomographie (fMRI).
Die unterschwelligen elektrischen Reize lösten keine messbare Aktivierung im Gehirn aus, stellten die Forscher um Felix Blankenburg fest. Stattdessen war jedoch die Aktivität in der Hirnregion vermindert, die für die Hand zuständig ist. Zudem wirkten sich die unterschwelligen Reize auf die Wahrnehmung der Probanden aus: Gaben die Forscher einen schwachen Reiz, konnten die Probanden dreißig Sekunden später einen stärkeren Impuls schlechter erkennen als ohne ein vorausgehendes schwaches Signal.
Offensichtlich aktivieren subjektiv nicht wahrnehmbare Reizungen der Haut hemmende Nervenbahnen im Gehirn, schreiben Blankenburg und seine Kollegen. Dadurch würden diese unwichtigen Reize quasi aus dem Bewusstsein ausgeblendet, gleichzeitig aber auch die Verarbeitung nachfolgender stärkerer Reize gehemmt. Schwache elektrische Reizungen könnten daher möglicherweise in der Schmerztherapie eingesetzt werden, hoffen die Berliner Forscher. Beispielsweise könnten damit Phantomschmerzen behandelt werden, wie sie nach Amputationen auftreten.
ddp/bdw – Christine Amrhein




