Um nun den Ursprung der Spezies festzustellen, wurde von einem Forscherteam um Charlotte Lindqvist von der University at Buffalo das Knochenmaterial angebohrt und in dem Mehl nach dem Energiekraftwerk von Körperzellen gesucht, dem Mitochondrium. Die Erbsubstanz der Mitochondrien enthält nämlich viele wichtige Informationen über die evolutive Entwicklung einer Art, erklären die Forscher. Das bisher älteste entschlüsselte mitochondriale Genom stammt vom Mammut, das nun analysierte Erbgut des Polarbären ist doppelt so alt. Um das Ergebnis der durchgeführten Genanalyse vergleichen zu können, wurden auch die Genome von heute in Nordamerika lebenden Eis- und Braunbären sequenziert und schließlich ein Stammbaum erstellt.
Das Erbgut verriet, dass sich die weißen Tiere vor gut 150.000 Jahren aus der Art der Braunbären entwickelten. Und es wurden auch die nächsten Verwandten der Eisbären festgestellt: Es sind die Braunbären auf den Inseln Admiralty, Baranof und Chichagof im Südosten Alaskas. ?Die Polarbären überlebten durch Anpassung eine voreiszeitliche Klimaerwärmung, die sogar noch höher ausfiel als die gegenwärtige?, berichtet Lindqvist. Vermutlich diente Spitzbergen als ein Refugium zum Überleben. Skeptisch wird beurteilt, ob sich auch die Eisbären der Gegenwart so souverän an die neuen Umstände anpassen können. “Heute schreitet die Erwärmung viel schneller voran, zudem sind Eisbären hochspezialisierte Tiere, die sich nur von einigen wenigen Robbenarten ernähren, was ihre Überlebenschance zusätzlich schmälert”, erklärt Lindqvist.





