Was spricht eigentlich dagegen?
Eigentlich wäre das ja gar nicht so schlecht: Warum sollte man immer wieder mühselig und teuer bei jedem einzelnen Patienten Hunderte oder Millionen von Körperzellen behandeln, wenn die einmalige Änderung eines defekten Gens im Embryo genügt, um alle folgenden Generationen dauerhaft zu heilen? Immerhin könnte man so manche Erbkrankheiten sogar ganz aus der Welt schaffen. Das aber ist nur die halbe Wahrheit. Denn genetische Veränderungen der Keimbahn eröffnen auch Möglichkeiten zur Manipulation – beispielsweise indem man Gene einschleust, die “Designerbabys” oder anderweitig genetisch optimierte Menschen produzieren. “Wenn man eindeutig therapeutische Keimbahn-Interventionen erlaubt, dann könnte dies auch den Weg zu nichttherapeutischen genetischen Optimierungen freimachen”, warnten Edward Lanphier, Vorsitzender der Allianz für Regenerative Medizin in Washington DC und seine Kollegen erst kürzlich im Fachmagazin “Nature”.
Hinzu kommt: Geht bei der Gentherapie etwas schief, wie es heute noch eher die Regel als die Ausnahme ist, dann hat dies bei einem Keimbahn-Eingriff Folgen über den einzelnen Betroffenen hinaus. “Aus unserer Sicht könnten Genveränderungen in menschlichen Embryos mit den heutigen Technologien unvorhersehbare Effekte auf zukünftige Generationen haben”, so Lanphier und seine Kollegen. “Dies macht solche Ansätze gefährlich und ethisch inakzeptabel.” Unter anderem deshalb ist die Manipulation der Keimbahn in rund 40 Ländern bisher ausdrücklich verboten – auch in Deutschland. Das allerdings hindert Forscher in weniger restriktiven Ländern wie Südkorea oder China nicht daran, solche genetischen Eingriffe an menschlichen Embryonen zu erforschen.
Ein chinesischer Präzedenzfall?
Ein solcher Fall ist nun gerade veröffentlicht worden und sorgt für heftige Diskussionen. Junjiu Huang von der Sun Ya-Tsen Universität in Guangzhou und seine Kollegen haben eines der gängigen molekularen Werkzeuge, das sogenannte CRISPR/Cas9, erstmals an menschlichen Embryonen eingesetzt. Als Testmaterial dienten ihnen 86 befruchtete Eizellen aus Reproduktionskliniken, die wegen eines Chromosomenfehlers aussortiert worden waren. Weil die Eizellen von zwei Spermien gleichzeitig befruchtet wurden, hatten sie einen Chromosomensatz zu viel. Diese Embryonen sterben zwar irgendwann ab, durchlaufen aber die ersten Stadien der Entwicklung noch ganz normal – was sie für genetische Experimente verwendbar macht. In ihrer Studie nutzten Huang und seine Kollegen das CRISPR/Cas9-System, um das Betaglobin-Gen (HBB) auszuschneiden und zu ersetzen, das Gen, dass bei seiner Mutation die erbliche Blutkrankheit Thalassämie verursacht.





