Ende November 2022 stellte die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) den ersten Bericht zum Stand der globalen Süßwasserressourcen vor, der für das Jahr 2021 galt. Nun hat die WMO zum zweiten Mal ihren „State of Global Water Resources Report” vorgelegt, diesmal für das Jahr 2022. In den neuesten Bericht gingen deutlich ausführlichere Daten zum weltweiten Wasserkreislauf ein, unter anderem über die Zu- und Abflussmengen von fast 1.000 Flüssen und Seen, die Grundwasserstände, Bodenfeuchte und Verdunstungsraten von Landflächen in 14 Ländern sowie den Wasserstand in Form von Schnee und Eis.
Diese Daten stammten sowohl aus der manuellen Feldforschung als auch aus der Fernerkundung per Satelliten. Weil die globale Informationslage zu diesen Aspekten, insbesondere zum Grundwasser, jedoch nicht ausreichend ist, beruht der Bericht auch auf hydrologischen Modellen und Simulationsdaten zum weltweiten Wasservorkommen im vergangenen Jahr. Insgesamt steuerten unter der Koordination der WMO 273 Messstationen, etwa elf internationale Modellierungsgruppen und Dutzende Forschende ihre Expertise bei. Als Vergleichszeitraum für den aktuellen Wasserstand dienten die letzten 30 Jahre.
Globales Ausmaß der Trockenheit in 2022
Dem Bericht zufolge verzeichneten im Jahr 2022 weite Teile der Welt trockenere Bedingungen: Knapp 40 Prozent der untersuchten Gebiete litten unter stärkerer Trockenheit als im Durchschnitt der vorangegangenen Jahrzehnte. „Der Durchfluss lag in vielen Flüssen der Welt signifikant unter der normalen Menge“, beschreibt Co-Autor Robert Reinecke von der Universität Mainz eine Folge der geringen Niederschläge. Auch die Böden waren aufgrund von Hitzewellen vielerorts weniger feucht als in der Vergangenheit. Durch gleichzeitig andauernde Wasserentnahme lagen laut Bericht die Grundwasserspiegel tiefer als in der Referenzperiode.
Und auch in der Kryosphäre, der Welt des gefrorenen Wassers, zeigten sich gravierende Veränderungen: Demnach sank von 2000 bis 2018 die Gletschermasse des sogenannten Dritten Pols rund um das Himalaya-Gebirge um mehr als vier Prozent. Die Schneedecke ging deutlich zurück und das Volumen der aus Schmelzwasser gespeisten Gletscherseen nahm stark zu. Ähnlich gravierend war der Rückgang von Schnee und Eis im vergangenen Jahr in den Alpen, mit Folgen für die umliegenden Flüsse.
Die Trockenheit in 2022 hat weltweit deutliche Spuren hinterlassen, auch in Europa, wie aus dem Bericht hervorgeht: Der Rhein, die Donau und der Po führten lange Zeit nur sehr wenig Wasser, mit entsprechenden Folgen für die Flussschifffahrt. Frankreich hatte mit geringen Niederschlägen zu kämpfen, was sich auf die Kühlung von Kernkraftwerken auswirkte. Eine ausgeprägte Trockenheit verzeichnete auch Südamerika, wodurch in Paraguay mehrfach das Trinkwasser knapp wurde und die seit 2020 anhaltende Dürre rund um den Fluss La Plata verstärkt wurde. Afrika erlitt regional humanitäre Krisen durch Dürren und andernorts durch Überflutungen. In Australien fiel der Grundwasserspiegel des wichtigen Murray-Darling-Einzugsgebietes trotz ansteigender Niederschläge weiter unter Normalstand. Aus Asien, dem Mittleren Osten und Teilen Afrikas waren nach Angaben der WMO zu wenige Daten vorhanden, um klare Aussagen zu den Wasserressourcen zu machen.






