In Wassertiefen unterhalb von einigen hundert Metern kommt so gut wie kein Sonnenlicht mehr an. Für die Bewohner der Tiefsee bedeutet dies, dass sie sich ihre eigenen Lichtquellen schaffen müssen, wenn sie etwas sehen wollen. Viele Fische und auch wirbellose Meeresbewohner tun dies mittels Biolumineszenz – einem von Leuchtorganen oder speziellen Zellen erzeugten Licht. So locken beispielsweise einige Anglerfische ihre Beute mit leuchtenden Fortsätzen in die Nähe ihres Mauls. Gleichzeitig hilft das ausgestrahlte Licht, die Beute zu orten: “In der Dunkelheit der tieferen mesopalagischen und bathypelagischen Zonen kann die Reflexion selbst eines kleinen Anteils der Biolumineszenz ein Tier seinen Fressfeinden oder auch seiner Beute gegenüber verraten”, erklären Alexander Davis von der Duke University in Durham und seine Kollegen. “Wir haben deshalb vermutet, dass der Selektionsdruck bei Tiefseetieren zur Entwicklung von Körperoberflächen mit fast keiner Reflexion führen müsste.”
Dunkler als das meiste Schwarz
Ob dies der Fall ist, haben Davis und sein Team anhand einer Stichproben von Tiefseefischen untersucht. Sie nutzten Schleppnetze und einen Tauchroboter, um in der kalifornischen Monterey Bay und im Golf von Mexiko aus gut 1500 Meter Tiefe 39 schwarz pigmentierte Fische von 18 verschiedenen Arten zu fangen und ins Labor zu holen. Dort ermittelten sie, wie viel Licht deren Haut reflektierte und im Besonderen, wie hoch die Lichtabsorption im Wellenlängenbereich um 480 Nanometer ist – dem Bereich des Lichts, den viele biolumineszente Tiere nutzen und der den noch bis in große Tiefen dringenden Anteilen des Sonnenlichts entspricht. Die Messungen ergaben, dass 16 dieser Fischarten eine so dunkle Körperoberfläche besitzen, dass diese weniger als 0,5 Prozent des einfallenden Lichts zurückwirft. Zum Vergleich: Ein schwarzes Blatt Papier reflektiert rund zehn Prozent des Lichts. “Damit liegen diese Fische gleichauf mit den schwärzesten bisher bekannten Tieren”, sagen die Forscher.
Am dunkelsten unter den untersuchten Fischen ist ein kleiner Anglerfisch der Gattung Oneirodes: Er wirft nur 0,04 Prozent des auf ihn treffenden Lichts wieder zurück. Damit ist er schwärzer als hochabsorbierende Schmetterlingsschuppen und ähnlich dunkel wie die schwärzesten Paradiesvögel. Durch die hohe Lichtabsorption erscheint dieser Fisch selbst bei hellem Licht als dunkle Silhouette, Oberflächenstrukturen sieht man kaum, wie die Forscher beim Fotografieren dieser Art feststellten: “Egal, wie man die Kameras oder die Beleuchtung aufstellte – die Fische schluckten alles Licht”, berichtet Co-Autorin Karen Osborn of the Smithsonian National Museum of Natural History in Washington DC.





