Was die Körpertemperatur betrifft, gibt es in der Tierwelt zwei Grundkonzepte: Die wechselwarmen, sogenannten ektothermen Lebewesen passen sich energiesparend der Umgebungstemperatur an. Die warmblütigen, endothermen Tiere leisten sich hingegen selbsterzeugte Körperwärme, um auch bei Kälte agil sein zu können. Fische gehören in der Regel zu den wechselwarmen Lebewesen – doch es gibt interessante Ausnahmen: Von ein paar Vertretern der Knochenfische und wenigen Haiarten wie dem Weißen Hai ist eine zumindest teilweise Endothermie bekannt: Diese Raubfische können bestimmte Bereiche ihres Körpers auf höhere Temperaturen als die des Wassers bringen. Auch der vermutlich größte Hai aller Zeiten, der ausgestorbene Megalodon, war wohl partiell endotherm, wie bestimmte Substanzen mit „Thermometer-Funktion“ in seinen fossilen Zähnen vermuten lassen.
Der zweitgrößte Fisch der Erde im Visier
Bei den bisher bekannten Fischen mit endothermen Merkmalen handelte es sich damit um Räuber an der Spitze der Nahrungskette. Deshalb ging man auch davon aus, dass die Fähigkeit zur Wärmeerzeugung vor allem deren besonders ausgeprägten „Sportlichkeit“ dient. Doch wie die aktuelle Entdeckung nun nahelegt, kann sich das Konzept offenbar auch bei einem vergleichsweise gemütlichen Planktonfresser lohnen: Der Riesenhai (Cetorhinus maximus) ist mit bis zu zehn Metern Länge der zweitgrößte Fisch der Erde. Im Gegensatz zu dem noch etwas größeren Walhai saugt er das Wasser nicht durch Maulbewegungen ein, sondern schwimmt mit weit geöffnetem Maul, um dabei kleine Organismen aus dem Strom zu filtern. Die Riesenhaie sind auf diese Weise in beiden Hemisphären der Erde in den gemäßigten bis kalten Meeresbereichen unterwegs.
Der Erforschung der noch immer geheimnisvollen Meeresriesen widmet sich ein internationales Team unter der Leitung des Trinity College Dublin. Wie die Wissenschaftler berichten, lieferten Untersuchungen von toten Riesenhaien, die in Irland und Großbritannien angespült wurden, die ersten Hinweise auf partiell endotherme Merkmale: Sie fanden heraus, dass sie ähnlich wie Weiße Haie und Thunfische tief in ihrem Körper spezielle Schwimmmuskeln besitzen. Diese rötlichen Muskeln befinden sich bei anderen Fischen hingegen meist in weiter außen liegenden Körperbereichen. Außerdem entdeckte das Team, dass Riesenhaie ein auffallend muskulöses Herz besitzen, wie es für partiell endotherme Arten ebenfalls typisch ist. Normalerweise besitzen Fische hingegen eher „schwammige“ Herzen, sagen die Wissenschaftler.
Durch Temperaturmessung bestätigt
Um diese anatomischen Hinweise auf partielle Endothermie durch Messwerte zu untermauern, rüstete das Team dann Riesenhaie vor der Küste Irlands mit speziellen Datenloggern aus. Diese Geräte zeichneten bis zu zwölf Stunden lang die Muskeltemperatur der Tiere direkt unter der Haut auf, bevor sie sich automatisch wieder lösten und von den Forschern eingesammelt werden konnten. So konnten sie schließlich bestätigen: Die Temperaturen der Muskeln liegen dauerhaft über den Wasserwerten. Das Ausmaß entspricht dabei weitgehend dem Niveau, wie es von den partiell endothermen Fischarten bekannt ist, sagen die Wissenschaftler.





