Eine britische Unterwasserexpedition hat große Krill-Vorkommen unter dem Eis der Antarktis entdeckt. Die Minikrebse kommen innerhalb eines 1 bis 13 Kilometer breiten Streifens südlich der Eisgrenze vor. Ihre Konzentration ist dort fünfmal so hoch wie im offenen Ozean, berichtet das Wissenschaftsmagazin “Science” (Vol. 295, 8.03.2002, S. 1890-92). Wissenschaftler vermuteten schon länger, dass die Eisunterseite dem Krill (Euphausia superba) als eine Art Kinderstube dient. Sie konnten nun erstmals ausführliche Daten über die Häufigkeit der Tiere gewinnen, die für Wale, Robben, Seevögel, Fische und Pinguine die Hauptnahrungsquelle sind.
Um die Verbreitung des Krills zu erkunden, setzten die Forscher vom britischen Antarctic Survey, der Open University und vom Marine Laboratory Aberdeen einen unbemannten Tauchroboter ein. Das am Southampton Oceanography Centre entwickelte Gerät mit dem Aussehen eines Torpedos ist sieben Meter lang. Es kann sich bis zu 40 Stunden völlig autonom unter dem Eis bewegen und bis in eine Tiefe von 1.600 Meter abtauchen. Den Forschern gelang es damit, bis zu 27 Kilometer unter die geschlossene Eisdecke in bisher unzugängliche Bereiche vorzudringen. Mit einer Echosonde ausgerüstet, spürte der so genannte AUTOSUB-2 die konzentrierte Krill-Ansammlung auf.
Offensichtlich bietet der Lebensraum eine Art Risikoausgleich für die Krebse, schreiben die Forscher: Einerseits finden sie nahe der Eiskante ein großes Nahrungsangebot an Algen. Andererseits bietet die Eisschicht einen Schutz gegenüber Fressfeinden, die nicht unter das Eis tauchen können. Da der Krill nicht gleichmäßig verteilt ist, scheint er nicht unmittelbar gefährdet, sollte das Eis durch die Klimaerwärmung teilweise abschmelzen, so die Wissenschaftler. Bisher wurde befürchtet, dass die Klimaerwärmung die Krillvorkommen in der Antarktis stark reduzieren könnte. Eine Abnahme der Krebse hätte drastische Konsequenzen für das dortige Ökosystem und den kommerziellen Fischfang.
Neben der Beobachtung des Krills misst der Tauchroboter AUTOSUB-2 auch die Dicke des antarktischen Eises. Die Forscher wollen untersuchen, ob Klimaänderungen zur Abnahme der Eisdecke beitragen.
Almut Bruschke-Reimer





