Das Antibiotikum Moxifloxacin könnte Tuberkulose in Kombination mit anderen Medikamenten mehrere Monate schneller heilen. Dies hat eine Studie an 170 Patienten in Rio de Janeiro (Brasilien) ergeben, die Forscher um Richard Chaisson von der John Hopkins University in Baltimore (USA) durchgeführt haben. Die Entwicklung neuer Medikamente gegen Tuberkulose sei vor allem deshalb wichtig, weil einige Krankheitserreger bereits gegen die existierenden Antibiotika resistent seien.
Tuberkulose ist eine bakterielle Erkrankung der Lunge, die an sich gut mit Medikamenten behandelt werden kann. In armen Ländern mit schlechter Gesundheitsversorgung ist die Erkrankung jedoch nach wie vor weit verbreitet: 2007 wurden von der Weltgesundheitsorganisation WHO 9,3 Millionen Fälle registriert, die meisten davon in Asien und Afrika.
Mit bisherigen Kurzzeittherapien kann Tuberkulose innerhalb von sechs Monaten effektiv behandelt werden. Allerdings brechen viele Patienten die Therapie vorzeitig ab, so dass eine schnellere Behandlung die Wahrscheinlichkeit einer unzureichenden Ausheilung deutlich verringern könnte. Zudem gibt es jedes Jahr etwa 500.000 Tuberkulosefälle, die durch multiresistente Bakterienstämme ausgelöst werden und gegen die gängigen Antibiotika resistent sind.
Zusammen mit Forschern der Federal University of Rio de Janeiro untersuchten Chaisson und sein Team nun 170 Tuberkulosepatienten über einen Zeitraum von acht Wochen. Alle Patienten erhielten eine Standardtherapie mit den Antibiotika Isoniazid und Rifampicin und dem Tuberkulose-Hemmer Pyrazinamid. Die Hälfte nahm zusätzlich 400 Milligramm Moxifloxacin, die übrigen Patienten erhielten stattdessen das Antibiotikum Ethambutol. Dieses wird zwar ebenfalls in der Tuberkulosetherapie eingesetzt, hat jedoch nur einen geringen Effekt und diente daher als Vergleichsmedikament.
Moxifloxacin erwies sich bei der Behandlung der Tuberkulose als deutlich effizienter als Ethambutol: Nach acht Wochen Therapie waren bei 80 Prozent der Moxifloxacin-Patienten keine Tuberkulosebakterien mehr nachweisbar, während dies in der Kontrollgruppe nur bei 63 Prozent der Fall war. ?Die Ergebnisse legen nahe, dass Moxifloxacin ? kombiniert mit anderen Medikamenten ? die Behandlungsdauer der Tuberkulose um mehrere Monate verkürzen kann?, sagt Chaisson. Zugleich geben die Ergebnisse Hinweise darauf, dass das Medikament auch bei multiresistenten Bakterienstämmen wirksam eingesetzt werden kann. In weiteren Studien wollen die Mediziner nun untersuchen, ob eine Kurzzeittherapie mit Moxifloxacin Tuberkulose genauso gut oder sogar besser heilen kann als die Standardtherapie.
Richard Chaisson ( Johns Hopkins Universität, Balitmore) et al: The Lancet? (Band 373, S. 1183) ddp/wissenschaft.de ? Christine Amrhein





