Im April 1986 ereignete sich in Tschernobyl der bisher größte Reaktorunfall aller Zeiten. Wissenschaftler der Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft, Hamburg (BFH) und der Russischen Akademie der Wissenschaften, Moskau untersuchten nun, wie sich die radioaktive Strahlung auf das Wachstum von Bäumen in der Nähe des Reaktors auswirkte. Sie stellten fest, dass diese Bäume im Jahr des Unfalls unregelmäßige Jahresringe bildeten und dass ihr Wachstum während der drei folgenden Jahre verringert war.
Bei dem Reaktorunfall in Tschernobyl in der Ukraine wurde mehr radioaktive Strahlung freigesetzt als bei den Atombombenexplosionen in Hiroshima und Nagasaki. Auch die Bäume, die in der Nähe des Atomkraftwerkes wuchsen, wurden dadurch radioaktiv verstrahlt. Die Wissenschaftler der BFH untersuchten die Jahresringe der verstrahlten Kiefern. Dabei stellten sie fest, dass der im Jahr 1986 gebildete Jahresring nicht schmaler war aber Unregelmäßigkeiten in der Zellstruktur aufwies. Sie vermuten, dass einige der sich entwickelnden Holzzellen durch die radioaktive Strahlung beeinflusst wurden.
In den drei Jahren nach der Katastrophe bildeten die Bäume kaum neues Holz, der Jahresring für das Jahr 1988 fehlte sogar ganz. Die Forscher vermuten, dass die Bäume durch den Reaktorunfall nahezu alle Nadeln verloren und daher in der Holzbildung stark beeinträchtigt waren. Seit dem Jahr 1990 wuchsen die Bäume wieder normal. Die radioaktive Strahlung hat daher scheinbar keinen Langzeiteffekt auf das Wachstum der Bäume.
Das Baumwachstum wird durch äußere Faktoren wie Niederschlag, Temperatur oder die Versorgung mit Mineralien beeinflusst. So können Wissenschaftler an den gebildeten Jahresringen ablesen, welche Wuchsbedingungen in einem bestimmten Jahr herrschten. Auch radioaktive Strahlung kann das Wachstum eines Baumes beeinflussen und bei zu hoher Strahlung können auch Zellen des Baumes sterben.
Ralf Möller




