Der Gillbach nahe Köln erinnert nicht gerade an das tropische Flair Guatemalas – dennoch hat sich in dem etwa drei Meter breiten und 30 bis 90 Zentimeter tiefen Fließgewässer eine exotische Fischfauna ausgebildet. “Wir haben im Gillbach neben Guppys und Antennenwelsen die Buntbarschart Amatitlania nigrofasciata gefangen und untersucht”, erklärt Sven Klimpel vom Senckenberg Forschungszentrum in Frankfurt. Die ursprünglich in Mittelamerika heimischen Fische wurden wahrscheinlich von Aquariumsbesitzern ausgesetzt und haben sich im Bach vermehrt.
Kraftwerks-Kühlwasser macht Fluss tropisch warm
Dass diese tropischen Fische in dem deutschen Fließgewässer überleben können und sich sogar fortpflanzen, liegt an einer Besonderheit des Gillbachs: Das Braunkohlekraftwerk Niederaußem leitet in dieses Gewässer sein etwa 30 Grad Celsius warmes Kühlwasser ein. Als Folge ist das Flüsschen, das über die Erft in den Rhein mündet, auch im Winter durchschnittlich 19 Grad Celsius warm.
Welche Folgen die fremden Fische und die ungewohnte Wärme für das Ökosystem des Flüsschens hat, haben Klimpel und seine Kollegen nun untersucht. “Uns hat interessiert, wie sich so ein künstlich geschaffener Warmwasserlebensraum auf die Flora und Fauna auswirkt und welche Risiken hiermit verbunden sind”, erläutert der Forscher. Insgesamt 77 Fische hat das Wissenschaftlerteam dafür an zwei Probennahmestellen auf ihre Nahrungsökologie und auf Parasiten untersucht.
Tropische Parasiten in heimischen Fischen
Das Ergebnis: Viele der Fische aus dem warmen Flüsschen waren nicht nur von heimischen Parasiten befallen, sondern auch von nicht-heimischen subtropischen und tropischen Parasitenarten. Besonders häufig fanden die Forschenden den ursprünglich aus Asien stammenden Fadenwurm Camallanus cotti in den untersuchten Fischen. Dieser Parasit ist aus der Aquaristik bekannt und kann bei befallenen Fischen zum Tod führen.
“Beunruhigender Weise zeigen unsere Stichproben, dass auch heimische Fische wie Döbel oder Gründling bereits von dem tropischen Parasiten befallen werden”, sagt Klimpel. Die eingeschleppten Fische samt ihren Parasiten könnte damit die einheimische Fischfauna gefährden. “Insgesamt hat unsere Studie gezeigt, dass sich in langjährigen, künstlich erschaffenen Warmwasserhabitaten nicht nur eine tropische Fauna etablieren kann, sondern dass sich dort gleichzeitig auch das Gefüge von Krankheitserregern, wie beispielsweise Parasiten, verändert”, fasst der Parasitologe zusammen.






