Klick-Chemie heißt die neueste Erfindung des Chemie-Nobelpreisträgers Barry Sharpless. Mit ihr lassen sich neuartige Medikamente herstellen, die erst an ihrem Wirkort zusammengebaut werden. Sharpless und seine Kollegen beschreiben in der Fachzeitschrift Angewandte Chemie, wie sie mit der Klick-Chemie einen neuen Wirkstoff gegen Alzheimer entwickelten.
Bei fast allen Erkrankungen spielen Enzyme eine wichtige Rolle. Viele Medikamente zielen auf diese Biokatalysatoren, in dem sie deren Funktion hemmen. Beispielsweise hemmt Penicilin ein bakterielles Enzym, das die Bakterienzellwand aufbaut. Alzheimer-Medikamente hemmen das Enzym Acetylcholinesterase (ACE), welches den Botenstoff Acetylcholin abbaut.
Sharpless Idee war es, stabile molekulare Bausteine herzustellen, die vom Ziel-Enzym selbst zum eigentlichen Wirkstoff zusammengebaut werden. Klick-Chemie taufte er die Methode, bei der Molekül-Bausteine nur miteinander und in verschiedenen Kombinationen reagieren können. Der Durchbruch gelang am The Scripps Research Institute (TSRI) und am TSRI’s Skaggs Institute for Chemical Biology in Kalifornien.
Der neue Alzheimer-Wirkstoff lässt sich mit einem trojanischem Pferd vergleichen. Die Acetylcholinesterase baut die harmlosen Bruchstücke zusammen und legt sich damit selbst lahm. Denn das fertige Produkt ist ein hochpotenter Inhibitor.
Der Clou dabei ist, dass die einzelnen Bruchstücke, Azide und Acetylene, äußerst stabil sind. Ohne die Hilfe des Enzyms würden die Bruchstücke Jahre benötigen um korrekt miteinander zu reagieren.
Markus Batscheider





