Sie gehören zur Prominenz unter den ausgestorbenen Lebewesen der Erdgeschichte: Vom Kambrium-Zeitalter vor etwa 521 Millionen Jahren bis zum Ende des Perms vor etwa 251 Millionen Jahren wimmelte es in den Meeren der Welt von Trilobiten. Davon zeugen unzählige Fossilien von Vertretern dieser sehr artenreichen Gruppe der Gliederfüßer (Arthropoda). Die Trilobiten gelten daher als die am besten untersuchten Meerestiere der Entwicklungsgeschichte. Doch das bedeutet nicht, dass sie schon alle ihre Geheimnisse preisgegeben haben. Denn in der Regel haben sich nur ihre harten Panzer gut erhalten. Feinstrukturen des einstigen Körperbaus sind bei den Prozessen der Fossilisation dagegen meist verloren gegangen. So gibt es noch immer einige Unklarheiten über die Merkmale der filigranen Körperstrukturen und der inneren Organe der Trilobiten.
Neues Licht auf den körperlichen Feinbau der Urzeit-Wesen liefern nun besondere Funde, über die das internationale Forschungsteam um Abderrazak El Albani von der Universität von Poitiers berichtet. Sie stammen aus der sogenannten Tatelt-Formation im Atlasgebirge Marokkos, die auf die Zeit des Kambriums vor rund 500 Millionen Jahre datiert wurde. Die Forschenden haben dort erstaunlich detaillierte Fossilien von zwei Trilobitenarten entdeckt. “Ich beschäftige mich seit fast 40 Jahren mit Trilobiten, aber ich hatte noch nie so intensiv das Gefühl, auf lebende Tiere zu blicken. Die 3D-Erhaltung ist in diesem Fall wirklich erstaunlich“, sagt Co-Autor Greg Edgecombe vom Natural History Museum in London.
In Asche gebettet
Wie das Team berichtet, geht aus den Untersuchungen des Materials, in das die Fossilien eingebettet sind, hervor, dass es vulkanischen Ursprungs ist. Bestimmte Silikatverbindungen und weitere Substanzen deuten demnach darauf hin, dass das Gestein aus heißer Asche entstanden ist, die mit Salzwasser in Kontakt gekommen war. Das Team geht deshalb davon aus, dass die Fossilien durch einen pyroklastischen Aschestrom entstanden sind, der nach einem Vulkanausbruch einen flachen Meeresbereich erfasst hat. Beim Eintritt ins Wasser hat er demnach eine dichte Wolke aus feinem Material gebildet, die alles Leben einhüllte und unter sich begrub. Die Trilobiten ereilte somit vor rund 500 Millionen Jahren ein ähnliches Schicksal wie die Bewohner der Römerstadt Pompeji nach dem Ausbruch des Vesuvs. Bei den urzeitlichen Wassertieren führten die anschließenden Versteinerungsprozesse dann zu erstaunlich detaillierten Fossilien, die auch keine Verzerrungen oder Quetschungen aufweisen, erklären die Forschenden.
Um die filigranen Strukturen nicht zu zerstören, erfasste das Team sie mithilfe von computertomographischen Scans. Auf der Grundlage der Daten fertigten sie dann virtuelle Röntgenschnitte an, die zu dreidimensionalen Darstellungen führten. So offenbarte sich, wie detailliert die Tiere einst konserviert wurden: Sogar haarähnliche Strukturen, die entlang ihrer Fortsätze verliefen, lassen sich erkennen sowie winzige Muscheltiere, die sich einst an am Panzer der Trilobiten festgesetzt hatten. Auch die Strukturen des Verdauungstrakts sind erhalten geblieben, berichten die Forschenden. Denn in einigen Fällen ist die Asche offenbar sogar bis in diese internen Strukturen gelangt.





