Monogame Säugetiere laufen eher Gefahr auszusterben als untreue Spezies. Das hat der kanadischer Ökologe Justin Brashares bei Säugetieren Westafrikas beobachtet. Artenschutzprogramme sollten daher in manchen Fällen möglicherweise neu überdacht werden, erläutert Brashares in der Online-Ausgabe des britischen Wissenschaftsmagazins “Nature”.
Bislang befürchteten Experten, dass vor allem Großsäuger besonders gefährdet sind ? wie beispielsweise Büffel, die sich nur langsam vermehren und viel Land zum Überleben brauchen. Doch die Großtiere, bei denen wenige Männchen über viele Weibchen verfügen, gedeihen vergleichsweise gut, fand Brashares von der Universität British Columbia in Vancouver heraus. Dagegen sind bestimmte monogame Antilopenarten, die einem einzigen Partner treu sind, stark bedroht.
Warum gerade ein monogames Sexualleben die Tiere einem erhöhten Risiko aussetzt, darüber ist der Forscher noch im Zweifel. Wenn nahezu alle Tiere in Paaren leben, bleiben kaum Männchen übrig, die im Todesfalle eines Partners die Lücke auffüllen können. So bleiben Weibchen unbegattet, vermutet Brashares. Kleine Gruppen von Tieren könnten außerdem leichter Opfer von Jägern werden als ganze Herden.
Der Ökologe hatte die Daten westafrikanischer Viehzählungen von mehr als vierzig Säugetierarten der vergangenen dreißig Jahre analysiert. In dieser Zeit hatten viele Spezies in Ghana unter Abholzung und Jagd zu leiden. Er verglich die Wahrscheinlichkeit, dass eine Art aus einem der sechs Reservate in Ghana verschwand, mit Faktoren wie der Reservatfläche und der Größe, der Ernährung und dem Verhalten der Tiere.
Der stärkste und bislang auch am besten verstandene Risikofaktor ist die geografische Isolation einer Art. Isolierte Spezies bekommen kaum Zuwachs durch einwandernde Artgenossen. Verblüffenderweise erwies sich das Sexualverhalten der Tiere im Rahmen der Untersuchung als der zweitgrößte Risikofaktor.
ddp/bdw ? Cornelia Pfaff





