Die Fundstätte Fuente Nueva 3, die sich rund 100 Kilometer östlich von Granada befindet, steht bereits seit einiger Zeit im Fokus der Forschung: Dort wurden die frühesten bekannten Spuren von Vertretern der Gattung Homo in Westeuropa entdeckt. Es handelt sich um scharfkantig behauene Steinwerkzeuge der Oldowan-Entwicklungsstufe, die auf bis zu 1,4 Millionen Jahre datiert werden. Zudem förderten die Ausgrabungen zahlreiche unbehauene Steine zutage, die wohl zum Brechen von Knochen dienten. Möglicherweise kamen sie aber auch als Wurfgeschosse zum Einsatz, um Riesenhyänen (Pachycrocuta brevirostris) zu vertreiben, von denen am Fundort ebenfalls zahlreiche Spuren entdeckt wurden.
Bei den Ausgrabungen in Fuente Nueva 3 stießen Forschende auch besonders häufig auf die Überreste von sogenannten Südelefanten (Mammuthus meridionalis), die im späten Frühpleistozän in Südeuropa verbreitete waren. Dies hat dem Ort den Ruf als “Elefantenfriedhof” eingebracht. Bei einigen Überresten wurden dabei auch Feuersteinsplitter sowie versteinerte Kotspuren von Riesenhyänen entdeckt, was vermuten ließ, dass die beiden Spezies um die Kadaverressourcen konkurrierten. Doch warum gab es in Fuente Nueva 3 überhaupt so viele tote Elefanten? Diese Frage beleuchten nun die Untersuchungsergebnisse der Forschenden um Paul Palmqvist von der Universität von Malaga.
Hinweise auf Treibsand am Seeufer
Im Rahmen ihrer Studie haben die Forschenden das Material von Sedimentschichten am Fundort genauer untersucht, in denen die Überreste von Südelefanten sowie die menschlichen Spuren und der versteinerte Hyänen-Kot gefunden wurden. Wie das Team berichtet, ging aus den Analysen hervor: Vor allem eine untersuchte Bodenschicht war von einer sehr geringen Partikelgröße geprägt. Wie die Forschenden erklären, handelte es sich bei dem sehr feinen Material um den Untergrund im Uferbereich des einstigen Sees, der sich am Fundort einst befand. Wahrscheinlich war das Material deshalb auch zusätzlich leicht mit Wasser getränkt.
Daraus schließen die Forschenden, dass der Untergrund Merkmale besaß, anhand derer man ihn als Treibsand bezeichnen könnte. „Treibsand kann für ein Tier bekanntermaßen zu einer tödlichen Falle werden: Nachdem es in das Material geraten ist, erhöht sich die Viskosität des Sediments aufgrund der Trennung des Treibsands in zwei Phasen: eine wasserreiche und eine sandreiche Phase. Dies führt dazu, dass ein im Treibsand gefangenes Tier immer tiefer sinkt, wenn es versucht, der Falle zu entkommen“, schreiben die Autoren.
Die schweren Südelefanten könnten durch die Kombination von hohem Gewicht mit relativ kleiner Fußfläche besonders effektiv in dem feinen Material stecken geblieben sein, erklären die Forschenden. Sie verweisen dabei auf Beispiele aus der heutigen Zeit: Es ist bekannt, dass Afrikanische Elefanten manchmal in weichem Untergrund steckenbleiben und dadurch schließlich auch umkommen. Konkret hebt das Team einen Fall hervor, der in 2019 im Mana-Pools-Nationalpark in Simbabwe beobachtet wurde: Während einer Dürre hatte sich eine Elefantenkuh samt Kalb zu weit in ein schlammiges Wasserloch begeben und beide steckten dort schließlich fest. So wurden sie dann am Ende zu einer Mahlzeit einer Horde Tüpfelhyänen.





