Im Frühling ziehen sie in ihre Sommerquartiere nach Norden – im Herbst geht es dann wieder in den warmen Süden. Diesem Konzept folgen nicht nur die Zugvögel: Auch viele Fluginsekten wandern saisonal und legen dabei teils gewaltige Strecken zurück. Die zahlreichen Arten aus verschiedenen Familien repräsentieren damit die kleinsten und zahlenmäßig am stärksten verbreiteten Wandertiere der Erde. Ihr Zugverhalten ist im Vergleich zu dem der Vögel allerdings deutlich weniger erforscht. Vor allem fehlen detailliertere Informationen: “Zu verstehen, was individuelle Insekten während ihrer Wanderung tun und wie sie dabei auf das Wetter reagieren, ist eine der großen Herausforderungen für die Forschung zum Wanderverhalten von Tieren”, sagt Erstautor Myles Menz vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Radolfzell.
Insekten-Promis mit Sendern ausgerüstet
Um für neue Informationen in dem Forschungsfeld zu sorgen, haben Menz und seine Kollegen Untersuchungen an einem besonderen Vertreter wandernder Nachtfalter durchgeführt: Der Totenkopfschwärmer (Acherontia atropos) ist für seine markante Zeichnung auf dem Rücken bekannt, die einem menschlichen Schädel ähnelt. Dieses Merkmal brachte ihm einen Auftritt in dem Film „Das Schweigen der Lämmer“ ein. Der Grund für den Einsatz des Totenkopfschwärmers als Versuchstier war allerdings seine beachtliche Größe und sein komplexes Zugverhalten. Die Nachtfalter besitzen eine Flügelspannweite von über zehn Zentimetern und legen auf ihren jährlichen Wanderungen von Afrika bis Mitteleuropa enorme Strecken zurück. Wie bei vielen Insekten üblich, wird der gesamte Migrationsszyklus allerdings generationsübergreifend zurückgelegt. Aber auch die einzelnen Exemplare legen weite Strecken zurück.

Für die Studie zogen die Forscher Raupen des Totenkopfschwärmers bis zum Erwachsenenstadium im Labor auf. Dann wurden die Falter mit miniaturisierten Funksendern ausgerüstet, die nur 0,2 Gramm wogen. Wie die Wissenschaftler erklären, entspricht dies weniger als 15 Prozent ihres Körpergewichts und stellt damit eine zumutbare Belastung für die Falter dar: “Die Nahrung, die sie aufnehmen, entspricht wahrscheinlich oft mehr als diesem Gewicht”, so Menz. Er und seine Kollegen ließen die mit „Rucksack“ ausgerüsteten Versuchstiere dann von Konstanz aus losfliegen.
Um die Informationen der Sender aus relativer Nähe erfassen zu können, begleiteten die Wissenschaftler die nach Süden ziehenden Falter mit einem Leichtflugzeug. Insgesamt verfolgte das Team so 14 Nachtfalter über eine Dauer von maximal vier Stunden und Strecken von bis zu 80 Kilometern. So konnten die Forscher zumindest den Verlauf von einzelnen nächtlichen Flugetappen erfassen. Wie sie betonen, handelte es sich dabei um die bisher längste Strecke, über die ein Insekt in freier Wildbahn durchgängig beobachtet werden konnte.





