Von den Meerestiefen bis zu den Bergregionen hat die Evolution eine gigantische Vielfalt an Lebensformen hervorgebracht, die sich mit raffinierten Strategien an ihre jeweiligen Herausforderungen angepasst haben. Eine dieser Millionen von Arten hat Intelligenz zu ihrem Erfolgsrezept gemacht und blickt nun neugierig auf die Vielfalt der Natur: Der Mensch versucht den Artenreichtum zu erfassen. Dabei gibt es noch einiges zu tun: Schätzungen zufolge warten noch etwa zehn Millionen Arten auf ihre Entdeckung. Doch leider ist Eile angesagt: Durch die Zerstörung von Lebensräumen, Eingriffe in die Umwelt, direkte Ausrottung und vor allem durch die Effekte des Klimawandels verschwinden Arten, bevor sie überhaupt erfasst werden konnten.
Um dieses Problem in den Fokus zu rücken, kürt ein Komitee des International Institute for Species Exploration (IISE) in Tempe seit 2008 alljährlich eine Top Ten der spannendsten und außergewöhnlichsten entdeckten Arten. “Die Aussterbensrate ist momentan 1000 Mal schneller als vor dem verehrenden Einfluss des Menschen”, sagt Quentin Wheeler, Präsident des IISE. “Wir riskieren, Millionen von Arten gleichsam zu verpassen”, so der Wissenschaftler. Bei den zehn diesjährigen Botschaftern der Artenvielfalt handelt es sich erneut um ein ausgesprochen buntes Bouquet von spannenden Wesen.
Gryffindor-Spinne und Tarn-Freak
Angeführt wird die Parade von der Spinne Eriovixia gryffindori aus Indien. Benannt wurde die nur etwa zwei Millimeter lange Krabblerin nach dem sprechenden Hut der Harry-Potter-Geschichten. Ihre skurrile Gestalt ist ein Tarnverfahren: Als wandelnder Hexen-Hut verschwimmt sie mit dem Hintergrund in ihrem Lebensraum. Bisher wurde nur ein einziges Exemplar der Gryffindor-Spinne entdeckt.
Bunt und bizarr geht es weiter mit der Heuschrecke Eulophophyllum kirki. Diese Art hat ihr Aussehen perfekt angepasst, um mit der Kulisse in ihrem Lebensraum eins zu werden. Der Fotograf Peter Kirk hat das rund 40 Millimeter große Insekt in Malaysia fotografiert. Nach ihm wurde die Art benannt.
Sulawesi-Ratte und viele Füßchen
Auch ein neuer Vertreter der Nagetiere hat es unter die Top Ten geschafft: Im Gegensatz zu ihren fleischfressenden Verwandten ist die in Indonesien entdeckte Ratte Gracilimus radix ein Allesfresser und nagt besonders gern an Wurzeln – daher der Beiname radix. Seit 202 wurden auf der indonesischen Insel Sulawesi bereits sieben neue Nagetierarten entdeckt. Offenbar wuseln dort noch einige Unbekannte durch den Wald.
Auf mehr als 400 Beinchen kommt der nächste Star der Zehner-Parade daher: Der Tausendfüßer Illacme tobini. Biologen haben den rund zwei Zentimeter langen Krabbler im Sequoia Nationalpark an der US-Westküste entdeckt. Er besitzt nur verkümmerte Mundwerkzeuge und scheint nur flüssige Nahrung aufnehmen zu können.





