US-Forscher haben Tomaten- und Tabakpflanzen genetisch so verändert, dass sie einen Impfstoff gegen das gefährliche SARS-Virus bilden. Durch die pflanzliche Produktion ist der Impfstoff, ein viruseigenes Eiweiß, sicher und einfach zu verabreichen: Wurden Mäuse mit den Früchten der veränderten Tomatenpflanzen gefüttert, entwickelten sie innerhalb kurzer Zeit Abwehrmechanismen gegen das SARS-Virus.
Das Schwere Akute Atemwegssyndrom ( SARS) wurde zum ersten Mal 2002 in China beobachtet. Ausgelöst wird die Erkrankung durch das so genannte SARS-assoziierte Coronavirus, das vorwiegend durch Tröpfcheninfektion übertragen wird. Zu den Symptomen zählen plötzliches hohes Fieber, Atemnot und eine Entzündung beider Lungenflügel. Bislang gibt es keine effektive Behandlung gegen die Krankheit.
Das Forscherteam um Hilary Koprowski veränderte nun die Tomaten- und Tabakpflanzen genetisch so, dass die Pflanzen einen Teil des so genannten Spike-Proteins des SARS-Virus produzieren. Dieses Protein befindet sich normalerweise in der Außenhülle des Virus und hilft dem Erreger, in die menschlichen Zellen einzudringen. Wurden die Mäuse mit den Impfstoff-Tomaten gefüttert, bildeten nach kurzer Zeit Antikörper gegen das Spike-Protein und damit gegen das SARS-Virus.
Im Gegensatz dazu reichte die orale Gabe von Tabakwurzeln dafür nicht aus. Hier mussten die Forscher mit einer Injektion des aus Tabak gewonnenen Impfstoffs nachhelfen. Grund dafür könnte sein, dass das Tabakmaterial direkt in den Magen der Tiere eingebracht worden war, erklären die Wissenschaftler. Ein intensiverer Schleimhautkontakt beim Kauen und Schlucken fiel daher weg.
Die Produktion des Impfstoffs über Pflanzen sei sicher, kostengünstig und effektiv, betonen Koprowski und ihre Kollegen. Weitere Studien an anderen Tieren sind jedoch nötig, um herauszufinden, wie der Impfstoff am besten verabreicht werden kann. Möglich wäre zum Beispiel die Kombination von ess- und spritzbarem Impfstoff: Nach dem Verspeisen einer Tomate könnte der Schutz durch eine Injektion von Tabak-Impfstoff noch verstärkt werden.
Hilary Koprowski ( Thomas-Jefferson-Universität, Philadelphia) et al.: PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, DOI:10.1073/pnas0503760102
ddp/wissenschaft.de ? Stefanie Offermann




