Lange Zeit galt Asbest als “Mineral der tausend Möglichkeiten”, denn die feinen Fasern der Silikatverbindung lassen sich bestens zu verschiedenen Produkten verarbeiten. Zudem ist der Naturstoff gegenüber Hitze, Feuer und Chemikalien extrem beständig, was ihn bestens geeignet für Dämmstoffe, feuerfeste Textilien und Baumaterialen macht. Entsprechend häufig wurde auch bei uns Asbest verbaut und eingesetzt.
“Ein globaler Killer”
Doch dann zeigte sich allmählich eine fatale Schattenseite des Wunderminerals: Die feinen Asbestfasern sind krebserregend und dringen in die Zellen von Lunge und anderen Geweben ein. Die Folge sind schwere Lungenschäden und ein erhöhtes Risiko für verschiedene Krebsarten, darunter Lungen- und Kehlkopfkrebs, aber auch Bindegewebstumore. “Asbest ist ein globaler Killer”, konstatieren Su Lyn Leong von der University of Western Australia und ihre Kollegen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Asbest heute zusammen mit Quecksilber, Pestiziden und Blei als eine der zehn gesundheitsschädlichen Substanzen ein, die mehr als 100.000 Todesfälle pro Jahr verursachen.
In Deutschland und vielen anderen westlichen Industriestaaten wurde Asbest deshalb in den 90er Jahren verboten. Allerdings: An den Altlasten des einstigen Asbestbooms tragen wir noch heute. Erst Anfang dieses Jahres zeigte der nationale Asbest-Bericht der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), dass noch immer über 35 Millionen Tonnen asbesthaltiges Material in Deutschland verbaut sind. Mehr als 500.000 Beschäftigte sind als akut oder langfristig asbestgefährdet eingestuft und müssen sich deswegen regelmäßigen Kontrolluntersuchungen unterziehen.
Unkontrollierter Boom
Aber die Lehren aus der Vergangenheit scheinen nicht überall angekommen zu sein: In Asien boomt Asbest mehr denn je. “Asien ist für zwei Drittel des globalen Verbrauchs dieses Minerals verantwortlich, das sind aktuell mehr als eine Million Tonnen pro Jahr”, so Leung und ihre Kollegen. China liegt dabei mit 29 Prozent an der Spitze der Top-Konsumenten, dicht gefolgt von Indien. Weiter hinten folgen Kasachstan, Indonesien, Usbekistan, Vietnam und Thailand.
“Die Ursache für diesen Boom sind wahrscheinlich vielfältig”, meinen die Forscher. Zum einen ist Asbest sehr billig, deshalb sind asbesthaltige Produkte für die Schwellenländer erschwinglicher als die gesünderen, aber meist deutlich teureren Alternativen. Zudem wächst die Bevölkerung in diesen Ländern rapide, in China und Indien lässt die Landflucht die Städte und Metropolen anschwellen. Der resultierende Bauboom sorgt dafür, dass die Nachfrage nach asbesthaltigen Baustoffen und Dämmmitteln wächst.





